Wilhelm von Humboldt an Julius Heinrich Klaproth, 25.05.1824

|1| Ich statte E. Wohlgeboren meinen wärmsten Dank für das mir überschickte schöne Exemplar der tableaux hist. de l’Asie und die Zueignung, die mir ungemein schmeichelhaft gewesen ist, ab. Ich habe die Karten u. den Text mit dem größesten Interesse durchgesehen und gelesen, u. es freut mich sehr aus Ihrem gütigen Schreiben zu sehen, daß dies wichtige Werk, dem die Asiatische Geschichte durch die Benutzung der Originalquellen so viele Aufklärungen verdanken wird, ununterbrochen fortgesetzt werden wird. Das für den König bestimmte Exemplar habe ich dem Cabinets Rath Albrecht überschickt, u. ihn im Namen E. Wohlgeboren gebeten, dasselbe Sr. Majestät zu überreichen. Herr Ancillon hat gleichfalls das seinige erhalten.

Minister Altenstein war in der That sehr krank, u. man konnte wohl Besorgnisse für seine künftige Geschäftsführung hegen. Er ist aber jetzt eigentlich ganz hergestellt, u. wenn er sich auch noch schont, so scheint mir doch kein Zweifel zu seyn, daß er ferner wird mit seiner gewöhnlichen Thätigkeit dem Ministerium vorstehen können. E. Wohlgeboren haben sehr Recht zu sagen, daß das Gegentheil ein großes Uebel |2| für alle wissenschaftliche Bemühungen bei uns seyn würde. Auch ich würde seinen Abgang sehr bedauern, da ich ihn aufrichtig schätze, und mich fortdauernd seiner Güte u. Freundschaft erfreue.

Ich bin so frei, E. Wohlgeboren ein Exemplar einer schon vor längerer Zeit in der Akademie gelesenen Abhandlung zu überschicken. Sie enthält auch über die Amerikanischen Sprachen Einiges, was vielleicht Ihr Interesse erweckt. Ihr eigentlicher Zweck aber ist, einen nicht unwichtigen Punkt in den allgemeinen Ansichten über Sprachentstehung u. Sprachbeurtheilung zu prüfen u. wo möglich zu berichtigen. Diese Arbeit hängt darin mit meinen früheren zusammen, so wie mit einigen, die mich jetzt beschäftigen.

Herrn Bopps Bemühungen für die Verbreitung des Sanskrits haben den erwünschtesten Fortgang. Er giebt jetzt einige sehr interessante Episoden des Maha Bharat heraus, deren Druck so gut als vollendet ist. Bis jetzt ist der Text, wofür ich nicht ganz gestimmt habe, mit einer metrischen deutschen Uebersetzung begleitet. Allein es wird bald eine Auflage mit lateinischer Uebersetzung nachfolgen. Von seiner Sanskrit Grammatik sind 6 Bogen in 4. gedruckt. Nach diesen zu urtheilen, scheint sie mir alle Forderungen, die sich an ein solches Werk machen lassen, zu erfüllen. Sie ist deutsch, u. dies scheint mir zu billigen. Im |3| Auslande wird man doch immer, wäre es auch nur aus Vorurtheil, die Englischen Grammatiken vorziehen, u. für den freien Ausdruck grammatischer Ideen würde das Lateinische, wenn man es nicht in außerordentlichem Grade besitzt, kaum so gut dienen können.

Für die Indischen Popularsprachen weiß ich E. Wohlgeboren gar keinen Rath zu geben. In Deutschland hat sich wohl niemand damit beschäftigt, u. mir ist leider ihr Studium noch ganz unbekannt.

Für die Americana bin ich E. Wohlgeboren ungemein verbunden. Den neuen Abdruck von Elliots Grammatik besitze ich selbst. Es ist Schade, |sic| daß er auch nicht die mindeste neue Erweiterung enthält, sondern bloß ein sorgfältiger Abdruck der alten Ausgabe ist, wie ich mich durch sehr genaue Vergleichung überzeugt habe. Auch die andren beigelegten Blätter haben mich sehr interessirt. Den Mencius werde ich meinen Bruder bitten mir, wenn er erscheint, zu schicken, u. auf das Bulletin universel habe ich für die mich interessirenden Theile subscribirt.

Indem ich E. Wohlgeboren meinen herzlichen Dank, u. meine wärmsten Wünsche für den glücklichen Erfolg Ihrer wichtigen wissenschaftlichen Untersuchungen wiederhole, bitte ich Sie die Versicherung meiner aufrichtigsten u. ausgezeichneten Hochachtung anzunehmen.
Humboldt.
Tegel, den 25. Mai, 1824.