Wilhelm von Humboldt an Franz Bopp, 04.03.1827

|1*| S. 283. 284. der Jahrbücher scheinen Ew. Wohlgeboren mit Grimm ungewiß, ob die Zuthat der schwachen Deutschen Conjugation von thun oder vom part. pass. praet. herkommt.

Sollte nicht das Persische für das letzte bestimmt entscheiden? Denn {} ist doch wohl ganz unstreitig von {} u. dem Auxiliar zusammengesetzt.

Nimmt man dies an, so ist die Analogie zwischen dem Sanskrit, Deutschen u. Persischen viel größer u. auffallender, als bei der Hypothese von thun, die auf das Persische keine Anwendung leidet. Das Persische steht auch dann dem Deutschen näher, als dem Sanskrit.

Leitete man im Persischen das sogenannte Praet. verbi infiniti, das einfache, vom Infinitiv ab, so bleibt die Sache auch ziemlich dieselbe. Mir aber scheint zwischen dem eigentlichen componirten Perfectum u. dem nur scheinbar einfachen Aorist kein anderer Unterschied, als den der Sprachgebrauch allmählich gebildet hat.

Verzeihen Ew. Wohlgeboren diese Fragen meinem Verlangen, in meiner Persischen Unwissenheit von Ihnen belehrt zu werden.

Von Herzen der Ihrige
H.
4.[a]

Von Ablaut u. guna finde ich gar keine Spur im Persischen, oder entgehen sie mir nur? Sanskrit Worte in ri scheinen eben gleich in guna genommen zu seyn, wie machen.

|2*–3* vacat|
|4*; Anschrift im rechten unteren Viertel||Schreiber|
An
Herrn Professor Bopp.
Wohlgeboren
|unten links; über einem Loch durch Siegelerbrechung| Allhier

Fußnoten

    1. a |Editor| Lefmann 1897: März 1827.