Johann Karl Eduard Buschmann an Wilhelm von Humboldt, 30.12.1833

|87r|
Sr. Excellenz
dem Herrn Geheimen Staatsminister
Freiherrn von Humboldt.

Ew. Excellenz

bescheinige ich unter dem unterthänigsten Danke den Empfang der doppelten Anweisung für die Monate December d. J. und Januar k. J., auch den richtigen Empfang der Correctur des Bogens X., der Correcturbogen R., S. und T. und des Theils des Manuscripts von Seite 353 bis 378. – Den Fehler auf Bogen X. ûnyam statt sûnyam hatte Hr. Prof. Bopp richtig bemerkt[a].

Ew. Excellenz empfangen in der einen der beiden Ihnen zugehenden Mappen die Correctur des Bogens Y., einen Correcturbogen X. und den malayischen Theil des Roorda’schen Wörterbuches; den andern Theil hoffe ich Ew. |87v| Excellenz in wenigen Tagen zu schicken.

Die Einschaltung des von Ew. Excellenz nachgesandten Excurses über die Schreibung Mahâvansi war mißlich. Der Bogen Y. war schon fertig gesetzt und das ganze in der Druckerei befindliche Manuscript enthielt keine Erwähnung dieses Werkes mehr. Ich unternahm es daher, die Druckerei zu bewegen, die Stelle auf S. 169. in der Anm. 4. einzuschalten, um so mehr als der Inhalt dieser Anmerkung ungemein günstig sich mit diesem Nachtrage verwebt. Um die Verbindung zu vervollständigen, habe ich es auf meine Gefahr genommen, Ew. Excellenz Worten noch die Worte des Satzes in Zeile 4. und 5. der Anmerkung vorauszuschicken, bin aber ängstlich, daß Ew. Excellenz dieß mißbilligen könnten. Die Druckerei hat die Einschaltung willig ausgeführt, aber nicht ohne nachherige große Klagen wegen des durch Umwerfung dieses ganzen, so wie auch des folgenden Bogens verursachten Zeitverlustes. Man hat auch (ich weiß nicht weßhalb) einige Worte vom Ende des Bogens X. weggenommen und sie zu dem Anfang des Bogens Y. herübergenommen.

|89r| Ew. Excellenz füge ich auch hier das Blatt über die Etymologie von padischah wieder bei.

Hr. Geheimrath Wilken hält padischah für ein Compositum von schah und will ihm die Ableitung des ersten Theiles vom sanskritischen {pati} gefallen, so wie ihm nicht mißfällt, schah von {kṣatriya} abzuleiten.

Hr. Prof. Bopp glaubt mit Rask (in seiner Handschrift bei v. d. Hagen S. 24.), daß schah mit dem zendschen csahya (Nominativ csahyô), König, zusammenhängt (seine vergleich. Gramm. S <§> 48.). Er nimmt auch an, daß schah den letzten Theil von padischah ausmache; nur ist er ungewiß, ob padi das sanskr. {pati} sei und also zwei Mahl Herrscher im Ganzen ausgedrückt sei, oder die Bedeutung Fußvolk habe. In letzterem Falle würde er aber lieber {padāti} als {padik} darin suchen.

Ich halte es nicht für unmöglich (mehr wage ich freilich nicht zu sagen), daß der erste Theil von padischah (nach Richardson bâdschâh und pâdschâh) das persische Wort {bād}, das außer Wind auch stolz, heftig bedeutet, wäre; es |89v| käme[b] aber darauf an eine Stelle zu haben, worin {bād} in dieser Bedeutung vorkommt. Die Ableitung des schah von {kṣatriya} halte ich für sehr gewagt, da von diesem gar zu wenig übrig geblieben wäre, auch das h von schah mir ein wichtigeres Element zu seyn scheint. Die Zusammenstellung mit csahya im Zend ist wohl sehr gut. Ich wagte es noch das schah mit dem russischen zâr zusammenzustellen; es wäre möglich, daß die Veränderung und Natur des Wisarga anwendbar wäre und so das r mit dem h ausgeglichen würde; ich will auch diesen Punct in den nächsten Tagen untersuchen. Übrigens hat mir Hr. Geheimrath Wilken mitgetheilt, daß (wie in seiner neusten Lieferung aus Mirkond zu finden) die Beherrscher von Gordschestan den Titel schâr führten.

Die Ableitung von îs̓a scheint mir wegen des Abwerfens von î bedenklich, auch scheinen die Herrn Wilken und Bopp nicht gerne darauf eingehn zu wollen.

Genehmigen Hochdieselben die Gefühle tiefster Ehrfurcht und Ergebenheit, womit ich verharre
Ew. Excellenz
unterthänigster Diener,
Buschmann.
Berlin 30 Dec. 1833.


|Anhang|

|88r| Ueber padishah.

So viel ich sehen kann, sind shah und padishah rein Persische Wörter, und haben namentlich nichts mit dem bloß Arabischen sheik zu thun. Dies vorausgesetzt, wünschte ich zu wissen, ob man das längere Wort für ein Compositum aus dem kürzeren, oder das letzte nur für eine abgekürzte Aussprache des anderen hält? Auch hörte ich gern, wie man die beiden ersten Silben padi erklärt.

Bohlen (altes Indien II S. 21) bildet zwei Sanskritwörter kshatriyapa Herr der Krieger, und umgekehrt patikshatriya (also vermutlich Krieger des Herrn[c] und leitet von dem letztern padishah (pascha) <ab>. Er erklärt nämlich padishah durch Statthalter. Nach Wilkens Persischem Wörterbuch heißt <heist> das Wort aber gerade ebenso als das einfache shah, Kö-|88v|Konig |sic|, Fürst. Nach Bohlens Erklärung wäre das einfache Wort shah das Sanskritische kshtriya.

Diese Erklärungen scheinen mir alle gewaltsam. Ich würde in beiden Wörtern das Sanskritische iŝa <îs̓a> suchen, und das längere Wort mit sênâpati gleichbedeutend halten. Nur kann ich mit padi nicht fertig werden, da Heerführer des Fußvolks patikês̓a <padikês̓a> und nicht patês̓a <padês̓a> heißen würde.

Man könnte auch an eine Zusammensetzung von pati <und> is̓a also patîs̓a denken.

Fußnoten

    1. a |Editor| Siehe Humboldt, Wilhelm von (1836): Über die Kawi-Sprache auf der Insel Java, nebst einer Einleitung über die Verschiedenheit des menschlichen Sprachbaues und ihren Einfluss auf die geistige Entwicklung des Menschengeschlechts. In: Abhandlungen der Königlichen Preußischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin aus dem Jahre 1832, Zweiter Theil, S. 167, Anm. 1. [FZ]
    2. b |Editor| Eingefügt aus Kustode.
    3. c |Editor| Abschließende Klammer fehlt.