Wilhelm von Humboldt an Carl Georg von La Roche, Datierung unklar [1826?]

|116r| H. v. Laroche[a] zur Befindung mitgetheilt.

1., Es giebt ein in Ph|||iladel|phia, 1799. in 8. herausge|||kom|menes Buch unter dem Tit|||el| Die Geschichte von der Marterwoche, Auferstehung und Himmelfahrt unsres Herrn und Heilandes Jesu Christi, übersetzt in die Aruwakische Sprache. Diese Schrift habe ich von der Kön. Bibl. – Ich wünschte aber das deutsche Original zu besitzen, von dem es eine Uebersetzung ist.

2., Im Jahr 1790. ist in Barbi ein Arawakisches Buchstabirbuch unter dem Titel lukku adian äja und im Jahr 1807. in Görlitz ein Buch unter dem Titel: Nachricht von Suriname und seine Einwohnern von C. Quandt, der damals in Herrnhut lebte, herausgegeben worden. <Beide Bücher befinden sich auf der Kön. Bibl.> Ich wünschte zu wissen, ob das Buchstabirbuch auch von Quandt ist? Dieser Quandt wird, aller Wahrscheinlichkeit nach, schon verstorben seyn. Ich wünschte aber zu wissen, ob er nicht vielleicht ungedruckt gebliebene Papiere über das Arawakische hinterlassen hat, u. ob es möglich seyn würde, J diese oder Abschriften derselben zu erhalten?

3., Ich wünschte zugleich im Allgemeinen Auskunft über folgende Fragen zu erhalten:

a., in welchen Gegenden Amerikas werden noch jetzt von Deutschen evangelischen Brüdergemeinden, oder Missionsanstalten Missionarien u. Verbindungen mit ihnen unterhalten? und an wen könnte man sich wenden, um Nachrichten von diesen auswärts lebenden Missionarien zu erhalten?

b., giebt es in Deutschland noch lebende Personen, welche Missionarien in Amerika gewesen und <sind>? u. wie heißen sie? und wo halten sie sich auf?

|116v| c., wäre wohl Hofnung vorhanden, von den Erben schon verstorbener Missionarien hinterlassene Papiere über Amerikanische Volksstämme und Sprachen zu erhalten?

d., gäbe es Mittel, sich durch die Deutschen Brüdergemeinden und Missionsanstalten mit den NordAmerikanischen über diese Gegenstände in Verbindung zu setzen? und wie müßte man dies anfangen?

e., alles, was die Grönlandische und die Esquimaux Sprache betrift, ist zwar in dieser Rücksicht weniger wichtig, da es über diese Sprache ausführliche und gute gedruckte Hülfsmittel giebt. Indeß wünschte ich doch den Namen und Aufenthalt des in Schlesien wohnenden Mannes zu wissen, der Missionar unter den Esquimaux war, und in Berlin die reisende|?Esquimaux Familie besuchte.

Fußnoten

    1. a |Editor| Carl Georg von La Roche (1766–1839), Sohn der Schriftstellerin Sophie von La Roche, war preuß. Bergrat und gehörte der Berliner „Gesellschaft zur Beförderung der Evangelischen Missionen bei den Heiden“ an. Die an La Roche gestellten Fragen u. a. zum Nachlaß des Missionars Quandt beantwortet der Brief des Predigers Anders vom 21. Januar 1827; daher ist dieser Brief hier zeitlich früher anzusetzen. [FZ]