Wilhelm von Humboldt an Franz Bopp, 30.10.1823 (Mattson; Datierung unklar)

|1*| Ew. Wohlgeb. schicke ich mit meinem herzlichsten Danke die einliegenden Bogen zurück, und muß sehr um Verzeihung bitten, es so spät zu thun. Ich wünschte aber wohl zu erfahren, ob diese Grammatik fortgesetzt ist, u. wo man Sie <sie> haben kann? Ich dächte, Sie hätten mir gesagt, daß Sie Sie <sie> durch Klaproth besäßen.

Ist im Schlegelschen Bhag. Gita nicht VI. 21. a. in {sukhamātyaṃtikaṃ} das lange a ein Druckfehler? Ich weiß sonst gar mir seine Entstehung nicht zu erklären.

II. 39. b. übersetzt Schlegel die ersten drei Worte cui sententiae devotus, als würde das Subst. vom Verbum regiert. Allein dann müßte das erstere im Dat. stehen, wie II. 38. b. Hier wo der Instrumentalis ist, muß man dünkt mich, qua sententia i. e. vi cujus sententiae devotus übersetzen. So thut es Schlegel auch wirklich in einer ganz ähnlichen Stelle X. 7. b. Es ist aber wahr, daß in der Stelle, von der ich hier rede, diese Uebersetzung weniger zum Sinn paßt, als die Schlegelsche.

Woher kommt {saṃjñita}, da doch {jñā} zum Part.  {jñāta} hat?

Lassen sich die Fälle, wo die 3. pers. plur. das {n} verliert, auf eine ganz allgemeine Regel bringen? Mir ist nur die der reduplicirten Verba bekannt.

Könnte Bhag. Gita VI. 10. b.  {apariṃgraha} nicht heißen: der nichts nimmt, nichts begehrt, oder muß man schlechterdings, wie Schlegel thut: sine comitatu übersetzen?

Verzeihen Sie die vielen Fragen. Mit herzlichster Freundschaft
der Ihrige,
Humboldt.
30.[a]
|2*–4* vacat|

Fußnoten

    1. a |Editor| Mattson 7339 datiert den Brief auf den "30. [Okt.? 1823]".