Wilhelm von Humboldt an Franz Lieber, 20.08.1831

|1*| Ew. Wohlgeboren haben die große Güte gehabt, mir mehreremale und zuletzt am 20.t December v. J. zu schreiben und mir einige intereßante Schriften[a] zuzusenden. Ich muß mich daher sehr bei Ihnen entschuldigen, Ihnen meinen Dank dafür erst so spät abzustatten, hoffe aber auf Ihre gütige Verzeihung. Alles, was ich durch Sie erhalten habe, ist mir angenehm und belehrend zugleich gewesen, und Sie werden mich sehr verbinden, wenn Sie gütigst fortfahren wollen, mich von Demjenigen in Kenntniß zu setzen, was mich bei Ihnen vorzugsweise intereßirt. Sie können dahin alles rechnen, was die Sprachen, Sitten und den politischen Zustand der amerikanischen Eingebornen betrifft.

Ich nehme mir die Freyheit, Ihnen deswegen Einiges zu übersenden, was Sie vielleicht noch nicht gesehen haben dürften, und doch vielleicht gern kennen lernen werden. Es ist das Leben Schillers von seiner Schwägerin der Frau von Wolzogen und mein Briefwechsel mit ihm von mir selbst herausgegeben. Wenn ich kann, so füge ich diesem Paket noch einige Kleinigkeiten von mir bei. Sie werden dasselbe aber erst einige Wochen nach diesem Briefe erhalten, da ich jene Schriften nicht hier, wo ich mich nur zufällig zum Gebrauch des Seebades aufhalte, sondern in Berlin habe, wohin ich in wenigen Wochen zurückkehre. Wenn Ew. Wohlgeboren Gelegenheit fänden, die eben genannten Bücher ihrem Hauptinhalte nach in |2*| Amerikanischen Zeitschriften bekannt zu machen, so würde mir dies eine sehr angenehme Gefälligkeit sein. Der Tod Niebuhrs wird Ew. Wohlgeboren gewiß auch sehr geschmerzt haben. Er ist zugleich ein unersetzlicher Verlust für die Wissenschaften.

Ich bitte Ew. Wohlgeboren die Versicherung meiner ausgezeichneten Hochachtung anzunehmen.
|Humboldt| Humboldt
Norderney, 20. August, 1831.

Fußnoten

    1. a |Editor| Hierbei handelt es sich um die zwei Titel von Peter Paul Wzokhilain (vgl. Liebers Brief vom 20.12.1830)