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Wilhelm von Humboldt an Heinrich Julius von Klaproth, 05.09.1812

|1*| Wien, den 5. September, 1812.

Ich war eben im Begriff, für Eu. Hochwohlgeb. an Herrn von Schuckmann zu schreiben, als ich Ihren gütigen Brief vom 28. pr. empfing, durch den es mir äußerst angenehm gewesen ist, Ihre eigenen Wünsche über Ihre Anstellung genauer kennen zu lernen. Ich habe jetzt H. v. Schuckmann ausführlich geschrieben, ihm von Ihnen selbst, Ihren Schriften, Ihren Sammlungen im Détail gesprochen, und einige Ideen angegeben, wie ich glaubte, daß man von Ihren Bemühungen Nutzen ziehen könnte. Hierbei habe ich freilich nur leise Vorschläge machen können, weil E. Hochwohlgeb. fühlen, daß sich über eine Anstellung in einem fremden Departement nur mit Behutsamkeit reden läßt. Ich brauche E. Hochwohlgeb. nicht zu sagen, wie herzlich ich wünsche, daß mein Schritt von erwünschtem Erfolge seyn möge; außer dem Antheil, den ich an E. Hochwohlgeb. u. Ihrem würdigen Herrn Vater, den ich Sie mich angelegentlich zu empfehlen bitte, nehme, interessir ich mich auf das lebhafteste für den so selten bearbeiteten Zweig der Wissenschaften, dem Sie Sich widmen. Die mir gütigst mitgetheilten Schriften habe ich auf meiner Reise Muße gehabt durchzulesen, u. habe darin vollkommen die Meynung bestätigt gefunden, die ich nach der mir schon früher bekannten |2*| Abhandlung über die Uiguren von Ihrer Art, diese Gegenstände zu behandeln hegte. Ich habe also H. v. Schuckmann mit voller Ueberzeugung schreiben können. Ich läugne indeß nicht, daß E. Hochwohlgeb. wirkliche Anstellung dennoch leicht sehr bedeutende Schwierigkeit finden kann. Bei der Universität halte ich sie selbst am wenigsten angemessen; der Bibliothek mangelt es <an fonds>, da man schon neulich eine neue Anstellung mehr gemacht hat; die Akademie endlich wäre gerade das Institut, dem Arbeiten, wie die Ihrigen, am natürlichsten angehören; aber die Akademie hat selbst jetzt über Ihre Einkünfte zu disponiren, und H. v. Schuckmann hat also dort nicht freie Hand. Vielleicht aber könnten E. Hochwohlgeb. da durch Ihren Herrn Vater, u. durch H. Geh. StaatsRath Niebuhr, wenn Sie Sich diesem selbst so äußerst kenntnißreichen Mann genauer bekannt machten, oder es schon wären, etwas zu Gunsten Ihrer Bemühungen bewirken. Wo Sie glauben sollten, daß ich noch weiter etwas zum Gelingen Ihrer Wünsche beitragen könnte, bitte ich Sie, es mir anzuzeigen.

Da ich mich auf meiner Rückreise gar nicht habe in Prag aufhalten können, so ist es mir unmöglich gewesen, Ihren Auftrag wegen des Chinesischen Wörterbuchs[a] auszurichten. Ich werde sehen, ob es mir von hier aus möglich sein sollte.

Ich habe die Ehre mit aufrichtiger Hochachtung zu verbleiben
Eu. Hochwohlgeb.
ergebenster
Humboldt.

An Herrn Hofrath Julius von Klaproth, Hochwohlgeb.
in Berlin, unter den Linden, nr. 20.

|Am Rand:| Es würde wohl nöthig seyn, daß Eu. Hochwohlgeb. in einigen Tagen zu H. v. Schuckmann giengen, und sich auf meinen Brief bezögen.

Anmerkungen

    1. a |Editor| Eventuell ist damit ein Exemplar des auf Betreiben des chinesischen Kaisers Kangxi (1654–1722) von 1710 bis 1716 erstellten Wörterbuchs gemeint. [FZ]

    Über diesen Brief

    Eigenhändig
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    Folgebrief
    -

    Quellen

    Handschrift
    • Grundlage der Edition: Mantes-la-Jolie, Archives Communales, Sous-série 3 S, Collection Clerc de Landresse, Inv.-Nr. 1901
    Druck
    • Quilici, Leana / Ragghianti, Renzo (2001): "Lettres curieuses sur la Renaissance Orientale des frères Humboldt, d’August Schlegel et d’autres, avec en appendice quelques lettres de Constant, Renan, Thierry et Tocqueville", Cromohs 6: <URL: http://www.eliohs.unifi.it/testi/800/quilraggh/index.html>
    Nachweis
    -
    Zitierhinweis

    Wilhelm von Humboldt an Heinrich Julius von Klaproth, 05.09.1812. In: Wilhelm von Humboldt: Online-Edition der Sprachwissenschaftlichen Korrespondenz. Berlin. Version vom 31.08.2020. URL: https://wvh-briefe.bbaw.de/1031

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