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Wilhelm von Humboldt an Caroline von Wolzogen, 12.05.1816

|1| Frankfurt, den 12. Mai, 1816.

Seyn Sie mir nicht böse, liebe Caroline, daß ich Ihnen so spät u. nur wenige Zeilen antworte. Ich habe sehr viel zu thun, u. man wird von dem leeren Schreiben den ganzen Tag hindurch so müde, daß man am Abend gar nicht glaubt, daß man mit der Feder etwas Vernünftiges hervorbringen könnte. Indeß ist dies nur eine Entschuldigung für die Kürze. Daß ich nicht früher schrieb, daran war bloß Schuld, daß die Sachen, über die Sie mich befragt haben, früher nicht klar waren.

Mit Adolphs Kammerherrn Patent ist nichts zu machen. Er steht auf keinem Etat mit Besoldung aufgeführt, u. hat daher auch kein ihm eine solche wirklich ertheilendes Decret, welches das unerlaßliche Erforderniß ist, um bei der jetzt hier niedergesetzten Commission berücksichtigt zu werden.

Die 12,000 fl. aber können Sie, liebste Caroline, ohne Anstand erheben, jedoch vermuthlich nur terminweise durch zwei Jahre hindurch. Denn der Weimarische Antheil an den 100,000 fl. des Primas macht jährlich etwas über 6000 fl. Nun soll er gar diese Pension von 1. Iun. 1814. an bekommen, allein Weimar besitzt erst seit Anfang dieses Jahres ungefähr ein Antheil an seinem ehemaligen Staate, u. kann daher auch nicht eher zahlen. Zwar macht der Primas noch Ansprüche auf eine Summe, welche er Fulda vorgeschossen haben will, allein es ist nicht sicher, ob er Recht hat, diese zu erhalten, u. noch weniger, ob Fulda sie allein bezahlen muß.

Die Vollmacht, die Sie mir geschickt haben, ist an sich ganz richtig. Es kommt nun darauf an, ob Weimar vielleicht eine noch mehr förmliche fordert.

|2| Es wird, obgleich die Arbeit der Commission lange nicht beendigt ist, auf meinen Vorschlag jetzt der Antrag gemacht werden, die Pension des Primas vom 1. Ian. bis 1. Iul. 1816. mit 25 50,000 fl. zu bezahlen. Dem muß Weimar 3,000 fl. geben. Es wird also jetzt Zeit, daß sie mit Gersdorff, oder wer es in Weimar besorgt, abmachten, daß diese 3000 rth. an Sie gezahlt würden. Wenn der Primas Ihnen aber die 12000 fl. als unverzinsliches Darlehn läßt, so müssen Sie Sich auch die Jahre bestimmen lassen, auf welche er sie Ihnen zahlt. Sonst können die Erben sie gleich zurückfordern.

Die Papiere, die Ihnen werth seyn können, schicke ich Ihnen zurück.

Die Li will den 10. Iun. hier seyn. Ich freue mich sehr, daß wir wieder zusammenkommen. Ich hoffe Sie |sic| sieht sich mit Ihnen unterwegs.

Der Agamemnon ist in vollem Druck, u. ich schicke Ihnen bald ein Exemplar. Ich habe schon die Einleitung u. vier Bogen Uebersetzung.

Sie haben sehr Recht, daß die Umgebungen der hiesigen Stadt sehr hübsch geworden sind. Ich gehe oft darin herum u. gedenke des armen Primas für den ich immer eine alte Zuneigung mit Ihnen theile. Sagen Sie ihm das, wenn Sie ihm schreiben.

Leben Sie herzlich wohl, theuere geliebte Freundin. Mit inniger Anhänglichkeit
der Ihrige,
Humboldt.

Über diesen Brief

Eigenhändig
Schreibort
Antwort auf
-
Folgebrief
  • 26.05.1816

Quellen

Handschrift
  • Jena, Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek, Inv. Aut.H16d
Druck
  • Hase 1848/1849, Bd. 2, S. 20–22; Hase 1867, Bd. 2, S. 26–28
Nachweis
  • Mattson 1980, Nr. 4948
Zitierhinweis

Wilhelm von Humboldt an Caroline von Wolzogen, 12.05.1816. In: Wilhelm von Humboldt: Online-Edition der Sprachwissenschaftlichen Korrespondenz. Berlin. Version vom 18.10.2021. URL: https://wvh-briefe.bbaw.de/1134

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