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Johann Wolfgang von Goethe an Wilhelm von Humboldt, 18.06.1821

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Herrn Staatsminister und Baron von Humboldt. Excellenz. Berlin.

Vor einigen Wochen, theuerster verehrter Freund, erhielt ich, durch Reisende Schreiben und Sendung von Ihrem Herrn Bruder. <In> meiner dankbaren Antwort fühlt ich mich gedrungen ihm zu sagen: daß jenes frühere Verhältniß zu Ihnen beyden mir immer unter den lichtesten Lebenspuncten vorschwebt. Wenn man sich erinnert was Ziel und Zweck d eines jeden damals gewesen und nun vor sich sieht, was durch große Anstrengung endlich errungen worden, so giebt es einen herrlichen Genuß. Betrachtet man nun <ferner> wie eine gesteigerte Thätigkeit, die auch späterhin nicht nachläßt, entschiedene Plane vollkommen auszubilden, um das zu erreichen, was man früher für W wünschenswerth gehalten, so ist denn solcher gemeiner <gemeinsamer> Lebensgang höchst erfreulich zu überschauen.

|56v| Für das übersendete Werk zum besten dankend. Ich <dankbar, habe ich> schon mit Riemern <Riemer> darüber mehre Stunden conferirt, zu beyderseitigem Vergnügen und Belehrung; dieser <Belehrung. Dieser> Freund ist gegenwärtig hier nach seinen Wünschen situirt; von den Schulstunden befreyt kann er seine Lexicalischen <lexicalischen> Arbeiten, welche freylich ganz eigene Aufmerksamkeit und Folge verlangen, ruhig fortsetzen.

So wie ich höre haben Sie auch die Sprachkarte[a], die mir früher so wünschenswerth schien, weiter ausgearbeitet, wodurch auch mir eine große Zufriedenheit vorbereitet wird. Ich habe nie unterlaßen über Welt und Menschen fortzudenken, zu sammlen, zu arbeiten, und finde mich dadurch in dem Fall die Resultate anderer |57r| glücklich Mitarbeitenden mir desto reiner zuzueignen.

Und so möge denn dieses Blatt nicht länger weilen sondern Sie nach einer so langen Pause auf das freundlichste begrüßen.

Weimar den 18 Juny 1821.[b]
|57v vacat|

Anmerkungen

    1. a |Editor| Zur Sprachkarte siehe die Briefe Humboldts an Goethe vom 15. November 1812 und Goethes an Humboldt vom 8. Februar 1813 sowie demnächst den Beitrag von Jürgen Trabant im Goethe-Jahrbuch 2020. [FZ]
    2. b |Editor| In anderer Handschrift: Exped. eod.

    Über diesen Brief

    Konzept in Schreiberschrift (Johann August Friedrich John)
    Schreibort
    Antwort auf
    Folgebrief

    Quellen

    Handschrift
    • Grundlage der Edition: Weimar, GSA 29/25, Bl. 56r–57r
    Druck
    • Goethe 1887–1919, IV Bd. 34, S. 288–290 (= WA)
    Nachweis
    • Mattson 1980, Nr. 11646
    Zitierhinweis

    Johann Wolfgang von Goethe an Wilhelm von Humboldt, 18.06.1821. In: Wilhelm von Humboldt: Online-Edition der Sprachwissenschaftlichen Korrespondenz. Berlin. Version vom 18.10.2021. URL: https://wvh-briefe.bbaw.de/1153

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