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Wilhelm von Humboldt an Johann Wolfgang von Goethe, 29.11.1821

|119r| Berlin, den 29. November, 1821.

Sie haben, liebster Freund, im vergangenen Frühjahr meine Schrift über Spanien so gütig aufgenommen, daß ich mir die Freude nicht versagen kann, Ihnen ein Exemplar einer Abhandlung zu schicken, die, da sie einen mehr allgemein interessirenden Gegenstand betrift, eher Ansprüche machen kann, von Ihnen durchlaufen zu werden. Sie wird Ihnen ein Bild der Art geben, wie ich das Sprachstudium, soweit ich es zu treiben vermag, auf einen Punkt hinzuführen suche, der es an die höchsten u. allgemeinsten Fragen über Ideenentwickelung und Völkerbildung anknüpft. Bei keiner Art wissenschaftlicher Forschung ist es so nöthig, nie zu versäumen, sich von Zeit zu Zeit zu orientiren, und was man in Thatsachen zusammengereiht hat, wirklich in Ideen zu verwandeln. Denn bei keiner verliert man sich sonst so leicht in bloße Schälle, und leere Formen. Die Allgemeinheit, in der ich mich in dieser Abhandlung halten mußte, erlaubte mir nicht, in ihr in Einzelnes u. Factisches überzugehen. Aber ich denke nun nach u. nach abgesonderte Theile des Ganzen, u. diese ganz historisch u. empirisch zu behandeln.

Erhalten Sie indeß meinen Beschäftigungen Ihre gütige Theilnahme, u. leben Sie heiter und wohl! Meine Frau trägt mir die herzlichsten Grüße an Sie auf. Mit inniger u. unveränderlicher Verehrung und Freundschaft
der Ihrige
Humboldt.
|119v–120v vacat|
Zitierhinweis

Wilhelm von Humboldt an Johann Wolfgang von Goethe, 29.11.1821. In: Wilhelm von Humboldt: Online-Edition der Sprachwissenschaftlichen Korrespondenz. Berlin. Version vom 18.10.2021. URL: https://wvh-briefe.bbaw.de/1155

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