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  3. Nr. 133

Wilhelm von Humboldt an Franz Bopp, 30.03.1824

|1*| Ich danke Ew. Wohlgeboren herzlich für das Vergnügen, das mir Ihre Recension des Bhg < Bhagavad>  Gita gemacht hat. Ich dächte, Schlegel müßte sehr zufrieden damit seyn.

Von den drei Stellen, in welchen Sie seine Uebersetzung berichtigen, haben zwei, die letzten, mir von Ihnen sehr richtig erklärt geschienen. In der ersten aber würde ich in Schlegels Uebersetzung nichts ändern. Es mag wohl seyn, daß das praes. auch statt des potentialis steht, allein einmal ist dies hier immer wenig natürlich, da ein zweites Verbum wirklich im potentialis folgt, u. dann gewinnt hier offenbar der Sinn, wenn der Satz: daß die Menschen dem Beispiele des Gottes folgen, absolut u. im praesens, steht. Warum aber Schlegel mortales statt lôkâ gesetzt hat, begreife ich nicht.

In der zweiten Stelle ist der Sinn offenbar der von Ew. Wohlgeboren angegebene. Wenn aber  Sankskrit {sakhaṃ bhavaḥ} ein Wort wirklich ist, so möchte ich es grammatisch nicht mit  Sankskrit {araṃdamaḥ} vergleichen. In diesem ist ein Verb. act. transit. mit einem accis < accusativ> verbunden, obgleich gerade diese Zusammensetzung, scheinbar die natürlichste aller, dem Sanskrit fremd ist. Diese Verbindung kann  Sankskrit {bhū} nicht haben. Ich würde also hier  Sankskrit {sakhaṃ} für ein Adverbium halten, wie es so oft ist.

|2*| Dann ist grammatisch Alles richtig, u. es fragt sich nur, in wie weit der Gebrauch solcher Verbindungen legitimirt. So nehme ich auch Wilkin’s Beispiel. Denn daß er die Einschiebung des anuswara für bloß euphonisch hält, ist doch wohl falsch, da keine allgemeine Regel vor  Sankskrit {bha} die Einschiebung eines Nasalen fordert.

Die 3te Stelle ist offenbar, wie Sie sagen. Nur weiß ich nicht, ob man pâtrê nothwendig für die Person u. einen dativ nehmen muß. Auch im wahren Sinne als Locativus u. als Abstractum „in der Ordnung“, „Würdigkeit“ bildet es den Gegensatz des Wortes sl. 22.

Ich schicke das Stück der Zeitung zurück, weil ich nicht weiß, ob Sie zwei Exemplare besitzen u. die Güte hatten, mir eines zu bestimmen. Sonst würde ich es mit großem Vergnügen aufbewahrt haben.

Mit hochachtungsvollster Freundschaft
der Ihrige,
Humboldt
30.[a]
|3*–4* vacat|

Anmerkungen

    1. a |Editor| Lefmann 1897: [? 1823]. – Da die Rezension Bopps zu Schlegels Bhagavad-Gita in den Göttingischen Gelehrten Anzeigen erst am 4. März 1824 erschienen ist und Humboldt offensichtlich ein gedrucktes Exemplar von Bopp zugeschickt bekommen hat, kann der Brief frühestens vom 30. März 1824 stammen; so auch Mattson 1980, 7385. [FZ]

    Über diesen Brief

    Eigenhändig
    Schreibort
    Antwort auf
    -
    Folgebrief
    -

    Quellen

    Handschrift
    • Grundlage der Edition: Krakau, Biblioteka Jagiellońska, 94 Briefe von H. v. Humboldt an F. Bopp, Autographen-Sammlung, Humboldt, aus der ehem. Preußischen Staatsbibliothek zu Berlin, gegenwärtig in der Jagiellonen-Bibliothek Krakau, Nr. 19; h (Druckkoll.): Jena, ThULB, Nachlass Leitzmann, Inv.-Nr. 92
    Druck
    • Lefmann 1897, S. 37
    Nachweis
    • Mattson 1980, Nr. 7385
    Zitierhinweis

    Wilhelm von Humboldt an Franz Bopp, 30.03.1824. In: Wilhelm von Humboldt: Online-Edition der Sprachwissenschaftlichen Korrespondenz. Berlin. Version vom 18.10.2021. URL: https://wvh-briefe.bbaw.de/133

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