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  3. Nr. 270

Franz Bopp an Wilhelm von Humboldt, 29.05.1833

|33r| Ew Excellenz

habe ich die Ehre zu bemerken daß ich sehr gerne eine Durchsicht des Drucks der bewußten Stelle übernehmen werde, so wie von allem was Ew Excellenz für gut finden mir durch Hrn Buschmann zukommen zu lassen. Doch glaube ich im August eine Reise nach dem Rhein anzutreten. Um  Sankskrit {citāgni} ganz wirklich zu geben muß es allerdings Feuer des Scheiterhaufens heißen. Bei  Sankskrit {patyuḥ} aber ziehe ich die Uebersetzung |33v| Gatten vor. Ich meinte nämlich nicht daß anganâh patyuh die Gemahlinnnen des Gatten, sondern daß beide Wörter zusammen ungefähr soviel als den Begriff der Gemahlinnen ausdrücken sollten, weil angana für sich Frau im allgemeinen, femina nicht uxor bedeutet. Auch steht pati, soviel ich mich jetzt erinnere, meistens nur am Ende von Compositen für Herr, wie  Sankskrit {mahīpati}. –  Sankskrit {śarabhaṅga} ist an gedachter Stelle des Ram. wohl eigener Name; vielleicht derselbe mit  Sankskrit {śarabha}, nach Wilsona monkey in Rama’s army.

In tiefster Ehrerbietung
Ew Excellenz
ganz gehorsamster
Bopp
Berlin den 29. Mai 1833

|37r vacat|
|37v, Anschrift|
Sr Excellenz
Herrn Geheimen Staats-Minister
Freiherrn W. v. Humboldt
in
Tegel


|Anhang|

|34r| | Handschrift Schreiber| Beilage von Herrn Professors Bopp Hand < | Handschrift wvh| zu S. 120. e.>[a]

| Handschrift bopp|  Sankskrit {śvobhūte}  Sankskrit {’tha}  Sankskrit {tataḥ}  Sankskrit {śaurir} ‌ Sankskrit {vasudevaḥ}  Sankskrit {pratāpavān}‌  Sankskrit {muttvā} " Sankskrit {tmānam}  Sankskrit {mahātejā}  Sankskrit {jagāma}  Sankskrit {gatim}‌ Sankskrit {uttamām}‌

etwas weiter unten kommt:

 Sankskrit {yas}‌  Sankskrit {tu}  Sankskrit {deśaḥ}  Sankskrit {priyas}‌  Sankskrit {tasya}  Sankskrit {jīvato}  Sankskrit {’bhūn} ‌ Sankskrit {mahātmanaḥ}  Sankskrit {tatra} ....  Sankskrit {pitṛmedham}‌  Sankskrit {pracakrire}

 Sankskrit {taṃ} <  Sankskrit {tañ} >  Sankskrit {citāgniṅ} ‌ Sankskrit {gataṃ}  Sankskrit {vīraṃ}  Sankskrit {śūraputraṃ} [1]  Sankskrit {varāṅganāḥ}  Sankskrit {tato}  Sankskrit {’tvāruruhuḥ}  Sankskrit {panyuś}  Sankskrit {catasraḥ}  Sankskrit {patilokagāḥ}

 Sankskrit {taṃ}  Sankskrit {vai}  Sankskrit {ca}  Sankskrit {tasṛbhiḥ}  Sankskrit {strībhir}‌  Sankskrit {anvitam}‌  Sankskrit {pāṇḍunandanaḥ}  Sankskrit {adāhayac}  Sankskrit {candanaiś}‌ Sankskrit {ca}  Sankskrit {gandhair} ‌ Sankskrit {uccāvacair}‌  Sankskrit {api}

 Sankskrit {tataḥ}  Sankskrit {prādurabhūc} ‌ Sankskrit {chandaḥ}  Sankskrit {samiḍasya}  Sankskrit {vibhāvasoḥ} [b]  Sankskrit {sāmagānāñ} ‌ Sankskrit {ca}  Sankskrit {nirghoṣo}  Sankskrit {narāṇāṃ}  Sankskrit {rudanām}‌ Sankskrit {api}

|34v vacat|

|35r| Das erste Sloka würde ich so übersetzen:

Am folgenden Tage ging dann des Sûra Sohn Wasudêva, der erhabene, glanzvolle, aufgegeben habend den Geist, den höchsten Gang.

Dieses Slo. schließt sich aber nicht unmittelbar an die folgenden an|.| Von den zwischen stehenden Versen habe ich aber keine Abschrift.  Sankskrit {śvobhūte} heißt wörtlich „als es morgen ( eras) geworden war|.| Wahrscheinlich soll es heißen daß Vas. am Tage darauf, nachdem Ardschunas zu ihm gekommen, seinen Geist aufgab. In der Savitri  <IV. 9> steht der Ausdruck  Sankskrit {śvobhūte} (oder auch getrennt  Sankskrit {śvo}  Sankskrit {bhūte}) in etwas anderem Sinne –  Sankskrit {śvo}  Sankskrit {bhūte}  Sankskrit {maraṇe} bei morgen seiendem Tode d. h als die Zeit gekommen war wo morgen des Gatten Tod eintreffen sollte.

Sl. 2. zwischen tatra und pitṛmêdham fehlt ein Wort ode |sic| 6 Sylben die mir in der Handschrift nicht deutlich waren.

Sl. 3. varânganâ: heißt vorzügliche Frauen ( Sankskrit {aṅganā} Frau) und  Sankskrit {patyuś} würde ich lieber im Sinne von Gatten nehmen. „Ihmd d Ihm dem zum Scheiterhaufen gelangten … stiegen hierauf nach vier vorzügliche Frauen des Gatten (= vier vorzügliche Gemahlinnen), in des Gatten Welt zu gehen.

4 Das Wort womit  Sankskrit {anvitam} übersetzt ist, ist mir nicht deutlich „den begleitenden, oder verbundenen“  Sankskrit {uccāvaca} heißt mannigfaltig „und mit vielartigen Wohlgerüchen“. Daß ich  Sankskrit {ca}  Sankskrit {tasṛbhiḥ} getrennt habe ist ein Schreibfehler. Das τ von τέσσαρες oder τέτταρες halte ich für den Vertreter des  Sankskrit {ca} wie in πέντε

|35v| 5. b.  Sankskrit {sāmagānām}‌ würde ich von  Sankskrit {nirghoṣa} abhängig machen. „und der Hymnensingenden Getön und der weinenden Menschen.“  Sankskrit {samiddha} ist allerdings von  Sankskrit {indh}

|36r; Text Humboldts in Schreiberschrift mit eigenhändigen Ergänzungen und Korrekturen|

| Handschrift Schreiber| 1. An den |sic| günstigen vierzehnten Tage der dunklen Monats-Hälfte darauf ging der Sohn Sûra’s Warudêwa der Erhabe|n|e < Ruhmgekröhnte< | Handschrift wvh| Ruhmbekrönte>> | Handschrift Schreiber| seinen Geist befreiend< | Handschrift wvh| (vom Irdischen) befreiend> | Handschrift Schreiber| den heilvollsten Gang

2. Welcher Ort dem Lebenden< | Handschrift wvh| lebenden> | Handschrift Schreiber| Großherzigen geliebt war< | Handschrift wvh| war,> | Handschrift Schreiber| an dem brachten sie ihm das Opfer der Väter.

3. Ihm dem in das Feuer des Scheiterhaufens gegangenen Helden< | Handschrift wvh| Helden,> | Handschrift Schreiber| dem Sohn Sûra’s, stiegen darauf nach des Herrschers vier lieblich gebildete, in des Gatten Welt eingehende (Gemahlinnen.)

4. Dem<Den> also von seinen vier Frauen erreichten zündete der Sohn Pându’s an mit Sandalgoti < | Handschrift wvh| Erreichten ließ der Sohn Pându’s verbrennen mit Sandal Holz> | Handschrift Schreiber| und Gerüchen und lautem Zuruf.

5. Darauf erscholl das Geräusch des angezündeten Feuers und der Brahmanen< | Handschrift wvh| Brahmanen,> | Handschrift Schreiber| auch der Laut der weinenden Männer

L. 1, b.< | Handschrift wvh| Sl. 1, b.> | Handschrift Schreiber| Setze ich vielleicht besser statt seinem Geist bloß sich?

L. 3.< | Handschrift wvh| Sl. 3.> | Handschrift Schreiber| In diesen beiden Versen finde ich eine kleine Schwierigkeit darin, daß das Wort Gemahlinnen ganz fehlt und vermuthlich bloß in dem Beiwort patilôkaga gesucht werden muß

L. 4.< | Handschrift wvh| Sl. 4.> | Handschrift Schreiber| Sollten Sie sich nicht in dem ersten Verse dieses Loka < | Handschrift wvh| Slôka> | Handschrift Schreiber| verschrieben haben? Sie haben das  Sankskrit {ca} getrennt von  Sankskrit {tasṛbhiḥ} |36v| und ich finde jetzt gar keine Erklärung für das letzte allein, da beide jetzt getrennten Wörter zusammen der richtige Instrumentalisch< | Handschrift wvh| Instrumentalis> | Handschrift Schreiber| der Zahl vier sind. Dabei fällt mir ein daß < | Handschrift wvh| τέσσαρες> | Handschrift Schreiber| offenbar das Sanskritwort ohne die Anfangssilbe ist. Wenn es richtig ist haben Sie es gewiß längst bemerkt.

L. 5.< | Handschrift wvh| Sl. 5.> | Handschrift Schreiber| Erscholl habe ich gesetzt für wurde offenbar. Das vorletzte Wort soll des ersten Verses soll doch < | Handschrift wvh|  Sankskrit {samiddhasya}, samiddhasya,> | Handschrift Schreiber| das Participium Passivi der Wurzel < | Handschrift wvh|  Sankskrit {indh} > | Handschrift Schreiber| sein?

Anmerkungen

  1. 1 |Bopp|  Sankskrit {śūra} ist hier eigener Name und Vater des Vasudeva, der nach ihm aber  Sankskrit {śauri} genannt wird.

  1. a |Editor| Die Beilagen zu diesem Brief vom 29. Mai 1833 sind offenbar im vorausgehenden Briefwechsel hin- und hergesandt worden. Das Blatt 34 mit dem Abschnitt aus dem 16. Gesang des Mahabharata gehört ursprünglich zu Bopps Brief vom 12. Mai 1833. Das dahinter liegende Blatt 35 ist Bopps Antwort auf Humboldts Anmerkungen und gehört zum Brief Bopps vom 21. Mai 1833. Die Anmerkungen von Humboldt auf Blatt 36, die hier ganz hinten liegen, gehören zu seinem Brief vom 16. Mai 1833 und liegen ursprünglich zeitlich zwischen Blatt 34 und 35. Wiederum eine Replik auf Bopps Erläuterungen findet sich in Humboldts Antwortschreiben vom 27. Mai 1833, dieser Brief schließt das Thema offenbar ab.
  2. b |Editor| Daṇḍa fehlt

Über diesen Brief

Eigenhändig mit Anmerkungen Wilhelm von Humboldts und dessen Schreibers
Schreibort
Antwort auf
Folgebrief
-

Quellen

Handschrift
  • Grundlage der Edition: Ehem. Preußische Staatsbibliothek zu Berlin, gegenwärtig in der Jagiellonen-Bibliothek Krakau, Coll. ling. fol. 53, Bl. 33–37
Druck
-
Nachweis
  • Mueller-Vollmer 1993, S. 215
Zitierhinweis

Franz Bopp an Wilhelm von Humboldt, 29.05.1833. In: Wilhelm von Humboldt: Online-Edition der Sprachwissenschaftlichen Korrespondenz. Berlin. Version vom 31.08.2020. URL: https://wvh-briefe.bbaw.de/270

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