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Johann Karl Eduard Buschmann an Wilhelm von Humboldt, Ende 1828? (Datierung unklar)

|73r| Bericht über die Correctur der Abschrift der caraibischen Grammatik von Breton.[a]

Es gab in der Abschrift sehr viel zu corrigiren, weit mehr als zu erwarten war. Dennoch aber ist nicht zu läugnen, daß der Abschreiber sich Mühe gegeben hat und aufmerksam gewesen ist; es ist nämlich die größte Anzahl von Fehlern dah aus einigen Unarten entstanden, die er leicht ablegen kann, wenn er kennen lernt, wie sehr sie schaden. Der Druck des Originals war auch kein guter Leiter, ich habe aber unter die unten specificirten Fehler der Abschrift alle die nicht mitgezählt, die durch Mangelhaftigkeit des Druckes veranlaßt sind, und nirgends andere als die wichtigen, und bin bei dem Anschreiben gar nicht streng verfahren; so habe ich bei weitem mehr nachh <nachzuhelfen> gehabt als die Zahlen angeben. Obenan unter den üblen Gewohnheiten des Schreibers steht die Unbestimmt-|73v|heit in der Distanz die er den Buchstaben und Worten von einander giebt; Buchstaben die Ein Wort bilden stehn so weit auseinander, daß jeder Mensch zwei Worte daraus machen muß, und diese Unart ist bis ins weite getrieben, und eben so die, Wörter in eins zusammenzuwerfen, ohne Zwischenraum, namentlich im caraibischen Text. Den Fall wo er im caraibischen Text ein Wort fälschlich auseinander geworfen hat, habe ich 52 Mahl, das zusammenschreiben zweier Worte in eins 176 Mahl notirt. – Zweitens ist der Abschreiber äußerst lâche mit den Accenten umgegangen; ich zähle 95 Mahl, daß er auf caraib. Wörtern den Accent vergessen, und 160, wo er einen falschen, den besonders oft den gravis statt des Acuts gesetzt hat. Ich bin freilich nicht darüber klar geworden, ob der Druck überhaupt einen gravis annimmt, es hat mir geschienen, als sollte immer nur der Acut stehn, wenigstens herrscht die größte Confusion zwischen beiden Zeichen, aber jene Fehler in der Abschrift kommen allein auf Rechnung des Schreibers, der, wie ich in der Correctur gemacht habe, nur den Druck nachzuahmen hatte. – |74r| Endlich hat der Abschreiber die Gewohnheit, statt m oft n, und umgekehrt zu schreiben; im caraibischen Text habe ich 101 Mahl, im französischen 80 Mahl einen falschen Buchstaben, bloß durch sein Verschulden, gesetzt getroffen, wovon etwa die Hälfte auf jene Verwechslung des m und n kommen kann. Buchstaben vergessen zähle ich im caraib. 17, im französ. 34 Mahle, 71 Mahl in wichtigen Fällen ein Unterscheidungszeichen, besonders das Comma, weggelassen, 18 Mahl mehrere Reihen ausgelassen, 12 Mahl eine Stelle doppelt geschrieben, gemischter Fehler von Bedeutung zähle ich noch 52. Im Ganzen rechne ich auf Schuld des Abschreibers im französischen Text 228 Fehler, im caraib. 682; zusammen 910. Wenn der Davon kommen 560 auf die drei oben gerügten üblen Angewohnheiten des Abschreibers. – Es wäre zu wünschen gewesen, daß in der Abschrift das Zeichen // und nicht – zum abbrechen eines Wortes am Ende der Zeile gebraucht wäre, denn in den caraib. Wörtern konnte man nun nicht wissen, wann dieser Strich einmahl Bindezeichen zweier Worte seyn sollte; ich habe diesen Übelstand dadurch |74v| gehoben, daß ich jedesmahl, wo das letztere Statt fand, am Rande die Worte geschrieben habe (wirklicher Trennstrich). Auch wäre es gut gewesen, alle caraib. Worte zu unterstreichen, denn es könnte doch einmahl ein französ. Wort, unter caraib. stehend, für ein caraib. aus Versehen gehalten werden; wo dieß etwa vorfallen könnte, habe ich unter ein solches Wort die deutsche Bedeutung gesetzt, und es so als ein französ. bezeichnet. Der Druck des Originals ist mangelhaft, es sind gewiß viele Fehler darin, namentlich sind oft zu trennende Wörter in eins gedruckt, fehlen Accente oder sind verwechselt, ich habe aber darin nichts verändert, auch wenn der Fehler unbezweifelt war. Ein paar Mahl, wo im Druck etwas unleserlich war, habe ich das geschriebene mit einem Fragezeichen notirt, indem es nicht sicher ist.

Anmerkungen

    1. a |Editor| Die Abschrift der Grammaire caraibe von Breton befindet sich heute in Krakau, Coll. ling. fol. 90. In einem Brief an Peter Stephen Duponceau vom 13. November 1828 schreibt Humboldt, dass er aus der Pariser Bibliothek ein Exemplar der extrem seltenen Grammaire caraibe von Breton mitgebracht habe (siehe Schwarz 1993, S. 53 Nr. 403). Der Abgleich der Abschrift mit dem Druck muss danach in Berlin erfolgt sein. [FZ]

    Über diesen Brief

    Eigenhändig in Antiqua, deutsche Schrift kursiv wiedergegeben
    Schreibort
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    Folgebrief
    -

    Quellen

    Handschrift
    • Grundlage der Edition: Ehem. Preußische Staatsbibliothek zu Berlin, gegenwärtig in der Jagiellonen-Bibliothek Krakau, Coll. ling. fol. 57, Bl. 73–74
    Druck
    -
    Nachweis
    • Mueller-Vollmer 1993, S. 241
    Zitierhinweis

    Johann Karl Eduard Buschmann an Wilhelm von Humboldt, Ende 1828? (Datierung unklar). In: Wilhelm von Humboldt: Online-Edition der Sprachwissenschaftlichen Korrespondenz. Berlin. Version vom 18.10.2021. URL: https://wvh-briefe.bbaw.de/277

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