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  3. Nr. 391

Heinrich Julius Klaproth an Wilhelm von Humboldt, 30.12.1827

|98r| Paris d. 30 Dec 1827.
Ew. Excellenz

werden gütigst verzeihen dass ich Ihr geehrtes Schreiben vom 29 März so spät erst beantworte. Es war aber während meiner Abwesenheit von Paris hier angekommen, und ich wollte erst die darin enthaltene Frage genau untersuchen.

Es giebt allerdings in mehreren Nord- und Mittelasiatischen Sprachen einen doppelten Plural der Personalpronomen, jedoch scheint keine bestimmte Regel über den verschiedenen Gebrauch dieser Pluralformen obzuwalten. Der doppelte Plural der ersten Person findet sich in |sic| im Mandshurischen und Mongolischen, und in beiden ist sein Gebrauch bestimmt.

Mandshu Mongol.
Be wir (im Allgemeinen) Bidadan
Meni, unser Man-u
Mende, uns (Dat) Mandur
Menzi, von uns Manasa
Membe, uns (Accus.) Man-i
Meningge, unsrig Maneigi
Meni meni jeder übar übar ün
Muse, Wir (von derselben Art) Bida
Museïngge, unserig (id) Bidaneigi.

|98v| In allen Türkischen Mundarten ist ebenfalls ein doppelter Plural vorhanden, aber wie es scheint mit unbestimmtem Gebrauche (S. dies beiliegende Billet des Herrn Jaubert). Im Osmanischen giebt es nur ein Pronomen für die erste Person, es ist  Sankskrit ben. Seine Pluralformen sind  Sankskrit bis und  Sankskrit bislar; so wie  Sankskrit ssen, du,  Sankskrit sis und  Sankskrit ssislar, unser macht. Ler oder lar ist die gewöhnliche Pluralendigung, sie ist also in bislar und ssislar pleonastisch.

Die Türkischen Dialecte des nördlichen und inneren Asiens, haben ein doppeltes Pronomen der ersten Person men und ben, beide bedeuten ich.

Men, ich Bis, wir Bislär, wir
Minüng, mein Bisüng, unser Bislärüng, unser
Minga wir Bisga, uns (Dat) Bislärgä, uns (D)
Miny, mich Bisny, uns (Acc.) Bislärny uns (Acc)
Minüng belân, mit mir bisnüng belân, mit uns Bislarüng belân

–––––––––

Ben, ich Bis, wir
Benüm, mein Bisüm, unser
Benga, mir Bisâ (Dat.)
Beny, mich Bisy (Acc.)
Benüm ile, mit mir Bisüm ile, mit uns.

Ssen, du, hat in denselben Dialecten ssis und ssislär wir.

|99r| Das Tschuwaschische ist mehr ein Türkischer als ein Finnischer Dialect; in demselben scheint jedoch kein doppelter Plural gebräuchlich zu seyn, denn ich finde nur folgende Declination des ersten Personalpronomens

Âbe, oder âp, ich Abír, wir
Manýng, mein Piring, unser
Manâ, mir Pirä, (Dat.)
Manâ, mich Pirä (Acc.)
Man bâ, mit mir Pirin ba, mit uns

Abír und Pir erinnern an das Deutsche wir.

Das ist für den Augenblick alles was ich E. E. über diesen Gegenstand anbieten kann. Sollte ich etwas neues in dieser Hinsicht finden, so werde ich mich beeilen es Ihnen mitzutheilen.

Indem ich Sie um die gütige Fortdauer Ihrer Gewogenheit bitte habe ich die Ehre mit vorzüglicher Hochachtung und Ergebenheit zu seyn.
Ew. Excellenz
gehorsamster Diener
JHKlaproth

Beiliegendes Paquet des H. v. Merian ist für Ew. Excellenz, es hat lange auf der Gesandtschaft gelegen.

|99v vacat|

Über diesen Brief

Eigenhändig
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Antwort auf
-
Folgebrief
-

Quellen

Handschrift
  • Grundlage der Edition: Ehem. Preußische Staatsbibliothek zu Berlin, gegenwärtig in der Jagiellonen-Bibliothek Krakau, Coll. ling. fol. 49, Bl. 98–99
Druck
-
Nachweis
  • Mueller-Vollmer 1993, S. 201
Zitierhinweis

Heinrich Julius Klaproth an Wilhelm von Humboldt, 30.12.1827. In: Wilhelm von Humboldt: Online-Edition der Sprachwissenschaftlichen Korrespondenz. Berlin. Version vom 31.08.2020. URL: https://wvh-briefe.bbaw.de/391

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