1. Startseite
  2. Briefe
  3. Nr. 477

Ernst Heinrich Toelken an Wilhelm von Humboldt, 10.02.1824

|23r| Ew. Excellenz

beehre ich mich gehorsamst die verlangte Auskunft zu geben.

Die erste mir bekannt gewordene Persiflage des großen französischen Werkes findet sich im Januarstück des Quarterly Review von 1819[a]. Sie wird aber dort mit den Worten: We cannot avoid reverting to Mr. Jomard[b], eingeführt, ist also nicht die früheste. Citirt wird das Decemberstück von 1818[c]. Nachher ist dieses Journal immer von Zeit zu Zeit auf diesen Gegenstand, als einen leading Article, zurückgekommen; häufig, wie es scheint, nach Briefen von Salt, der die Description mit den Originalen verglichen hat. Es scheint, daß die Franzosen kleinen flüchtigen Zeichnungen erst in Paris die nöthige Größe und Exactitude gegeben haben; vielleicht dürften manchen scheinbar höchst ausgeführten Darstellungen blos schriftliche Notizen zum Grunde liegen. Einen seltsamen Irthum |sic|, wodurch Ochsenköpfe in geflügelte Cherubim und diese durch Jomard in |23v| selige Geister, worüber der gute Creuzer fromme Betrachtungen anstellt, verwandelt worden sind, habe ich selbst verificirt, und einen solchen Kopf abbilden lassen, ohne jedoch dieses qui pro quo den Franzosen vorzurücken. Die Recension von Champollion’s lettre à M. Dacier steht im Februarheft 1823., wo auch Herr Jomard wieder sehr bitter durchgenommen wird, wegen der gerühmten Exactitude, womit er die Dessins dressire. Außerdem hat Herr Richardson in seinen langweiligen travels along the Mediterranean (das heißt Aegypten, Nubien und Syrien) 1822. 2 dicke Voll., es sich zum Geschäft gemacht, den Franzosen ihre bevues vorzuhalten. R. begleitete nemlich den Lord Belmore als Familienarzt, und dieser scheint das große französische Werk mit sich geführt zu haben. Ich könnte indeß Herrn R., der sehr fromm, aber sehr unwissend ist, wo möglich noch ärgere Fehler nachweisen, als er den atheistischen heidnischen Savans aufrückt. Auch Herr Bankes giebt Beiträge zu den Beschämungen der Savans im Quarterly Review. Die Entdeckung der Zahlenhieroglyphen gehört wahrscheinlich Herrn Jomard; sein Aufsatz darüber steht in der Revue Encyclopedique 1819. Vol. IV. p. 337. Champollion behauptet in seiner lettre à Dacier < p. 16.>, Young’s Aufsatz sey erst im December 1819 erschienen. Der Zwist wird wahrscheinlich sehr komisch werden.

|24r| Ich wage es, Ew. Excellenz gehorsamst um gefällige Mittheilung von
Hammer’s Rouleau de papyrus,
Ackerblads lettre a Silvestre de Sacy
und der drei Aushängebögen der Minutolischen Reise, welche die Wörterverzeichnisse enthalten und die ich die Ehre hatte Ew. Excellenz mitzutheilen, zu bitten, indem ich dieselben auf einige Tage nicht wol entbehren kann, da ein Register verfertigt werden soll.

In tiefster Hochachtung
Ew. Excellenz
ergebenster
E. H. Toelken
d. 10t Febr. 1824.

|24r|
Sr. Excellenz
dem Herr Staatsminister
Freiherrn von Humboldt

|Anschließend folgt ein vierseitiger Text Toelkens mit dem Titel „Der Widder als Symbol der Minerva“, Bl. 25–26|

Anmerkungen

    1. a |Editor| Hier irrt Toelken: Die genannte Rezension befindet sich im Juli-Band des Jahres 1818! Vgl. zur Autorschaft der Rezension den Quarterly Review Index Nr. 486 zu Article 8. [FZ]
    2. b |Editor| Das Zitat findet sich auf S. 419 der genannten Rezension. [FZ]
    3. c |Editor| Auch hier irrt Toelken: Zitiert wird die Rezension zu Henry Lights Travels in Egypt im April-Heft des Jahres 1818; auf S. 193–195 findet sich eine kritische Charakterisierung Jomards. Vgl. zur Autorschaft der Rezension den Quarterly Review Index Nr. 472 zu Article 6. [FZ]

    Über diesen Brief

    Eigenhändig
    Schreibort
    Antwort auf
    -
    Folgebrief
    -

    Quellen

    Handschrift
    • Grundlage der Edition: Ehem. Preußische Staatsbibliothek zu Berlin, gegenwärtig in der Jagiellonen-Bibliothek Krakau, Coll. ling. fol. 26, Bl. 23–24
    Druck
    -
    Nachweis
    • Mueller-Vollmer 1993, S. 172

    In diesem Brief

    Werke
    Zitierhinweis

    Ernst Heinrich Toelken an Wilhelm von Humboldt, 10.02.1824. In: Wilhelm von Humboldt: Online-Edition der Sprachwissenschaftlichen Korrespondenz. Berlin. Version vom 31.08.2020. URL: https://wvh-briefe.bbaw.de/477

    Download

    Dieses Dokument als TEI-XML herunterladen

    Versionsgeschichte

    Frühere Version des Dokuments in der archivierten Webansicht ansehen