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  3. Nr. 603

Wilhelm von Humboldt an Johann Wolfgang von Goethe, 28.11.1799

|1*| Madrid, 28. 9br. 99.

Verzeihen Sie, mein theuerer Freund, wenn daß ich Ihnen in so langer Zeit nicht schrieb, und Sie sogar über das fernere Schicksal meiner Reise ungewiß ließ; verzeihen Sie, wenn Sie auch heute nur einige flüchtige Zeilen erhalten; aber meine Reise ist schnell u. der Dinge, die meine Aufmerksamkeit fordern, sind viel; es bleiben mir also nur einige Viertelstunden zum Briefschreiben übrig.

Wir sind endlich, wie Sie sehen, in Madrid. Mitten aus allen Hindernissen, die uns die Zeit u. die Umstände in den Weg legten, u. trotz der Besorgnisse, die man uns von allen Seiten her über eine Reise durch die mittäglichen Provinzen Frankreichs erregte, haben wir uns auf den Weg gemacht u. sind ohne Anstoß, selbst ohne große Mühseligkeiten, hier angekommen. Bis zu den Pyrenäen haben wir nur wenig interessante Gegenstände gefunden. Der Weg bis in das Limousin über Orleans (denn dieser war es, den wir nahmen, da der schöne über Blois u. Tours durch die Chouans unsicher geworden war) ist so traurig, als man sich nur denken kann. Flache, u. sandige Felder, ohne alle ergötzende Mannigfaltigkeit ermüden unaufhörlich das Auge u. nirgends wird man auf dieser langen Strecke auch nur durch Einen interessanten Gegenstand entschädigt. Das Limousin ist zwar ein hübsches Ländchen, u. überrascht den Reisenden angenehm durch seine häufig abwechselnden Berge u. Thäler, das schöne Grün der Kastanienwälder u. das Eigenthümliche in der Bildung u. Sprache seiner Bewohner, allein dies ist auch alles. Eigentlich schöne Gegenden, oder merkwürdige Orte darf man nicht erwarten. — Bordeaux ist todt u. ohne Leben, der ungeheuere Hafen leer von Schiffen, u. die Menschen durch diese Stockung in ihrem einzigen Geschäft, dem Handel, misvergnügt u. zurückgezogen. Es giebt bloß das widrige Bild einer Stadt, die ehemals fast nur auf Luxus u. Vergnügen berechnet war, u. der jetzt die Mittel fehlen, ihn zu unterhalten. Das Einzige, was uns dort anzog|,| war <waren>, außer der wirklich schönen Lage am Fluß u. dem noch immer merkwürdigen Hafen, die Ueberbleibsel des altRömischen Amphitheaters, das man jetzt gemeinhin palais Galien nennt. Zwar stehen nur wenige Bögen noch ganz erhalten, u. auch in seinem unversehrten Zustande kann es nie ein außerordentlich schönes Gebäude gewesen seyn. Aber es sind immer ehrwürdige Reste des Alterthums, es flößt immer eigne Empfindungen ein, wenn man diese alten Bögen über die neueren niedrigeren Häuser emporschauen sieht, u. wenn man den innern Platz frei mit Gras u. Strauchwerk bewachsen ließe, so würde immer mancher gern von Zeit zu Zeit bei diesen Ruinen verweilen. Aber so baut man neue Häuser in dem mittleren freien Platz u. es ist nicht unwahrscheinlich, daß in wenig Jahren keine einzige bedeutende Trümmer mehr davon übrig seyn werden. — Von Bordeaux aus gingen wir gerade auf die hohen Pyrenäen, dem schönsten Theil dieser Bergkette, zu. Die Ufer der Garonne sind reizender, als ich sonst leicht eine Gegend kenne. Ueppige Vegetation u. sorgsame Cultur sind hier vereint; man fährt durch einen beständigen u. doch immer |2*| abwechselnden Garten. Am schönsten ist u. reichsten ist die Vegetation von la Réole bis Agen. Es war ein überaus freundlicher Anblick, der Weg, oft halbe Meilen lang, von Reben, die sich um Ulmen schlingen, eingefaßt, u. die blauen Trauben aus dem Grün der Ulmen herabhängen zu sehen. Agen < Auch> hat eine Gothische Kathedrale, von der ich sonst nie etwas gelesen hatte, außer daß Volkmann ihrer mit zwei Worten erwähnt, die aber gesehen zu werden verdient. Am merkwürdigsten ist dann das Chor u. die Stühle der Capitularen. Es ist das feinste Schnitzwerk, das Sie sehen können, die gefälligsten u. geschmackvollsten Verzierungen u. mit unter die launigsten Einfälle. So waren z. B. auf einem Stuhl zwei Affen, die einen Pfaffen, der zwischen ihnen stand, banden, u. ähnliche Spielwerke. Ueberhaupt scheint sich in diesem Schnitzwerk in den Chorstühlen die Laune der Künstler in den katholischen Kirchen mehr Freiheit erlaubt zu haben, als man sonst in diesen Orten erwarten sollte. Auf der ganzen Reise habe ich dies bestätigt gefunden. In der großen u. prächtigen Kathedrale in Burgos z. B. war außer vielen andern Vorstellungen, wie man sie wohl auf alten Gefäßen findet, besonders eine mit vielem Wohlgefallen wiederholt, zwei Genien, die mit stehendem Schamglied ihre Wasser in ein Gefäß abschlagen, u. der heilige Rücken des Priors lehnt an einem **** Jupiter, der als Stier die Europa entführt. Seltner noch, als dies Schnitzwerk, sind in der Kathedrale von Auch die prächtig gemahlten Fensterscheiben. Die sehr hohen Fenster der Kirche sind von oben bis unten mit biblischen Geschichten bemahlt u. der Glanz der Farben vorzüglich ist außerordentlich. Leicht mag jetzt in ganz Europa nichts Aehnliches existiren, wenigstens ist mir nichts bekannt, man sieht wohl sonst einzelne Scheiben, einzelne Vorstellungen, aber hier ist alles so erhalten, daß auch nicht ein einziges Stück fehlt. Ueberhaupt war es mir merkwürdig zu sehn, daß im südwestlichen Frankreich die Kirchen wenig oder gar nicht gelitten haben, da sie im Norden ganz u. gar ausgeplündert sind u. nun Scheunen oder Ställen ähnlich sehen. Vermuthlich wagte man im Süden weniger zu zertrümmern, weil die dort an sich lebhaftere Nation auch fester an ihrem Glauben hing. In den Pyrenäen hielten wir uns etwa 14 Tage auf. Wir ließen unsre Kinder meist in einer sehr liebenswürdigen Familie in Bagnères en Bigorre, u. meine Frau u. ich durchzogen indeß, meist zu Pferde, einen Theil des Gebirges. Was aber soll ich Ihnen davon sagen, mein theurer Freund? was von dem Thale von Gavarnie, wo man eine ganze Tagereise auf einem schmalen Wege am Abhange der Felsen macht, immer bald mehr, bald minder tief unter sich den S Bergstrom rauschen hört, neben sich die wunderbarsten Felsgestalten erblickt, u. mit Erstaunen sieht, wie nicht bloß da, wo der Fluß manchmal das Thal erweitert, u. wie mit Fleiß einen bequemeren Raum zum Anwohnen gelassen hat, sondern bis in beträchtliche Höhe an den Felsen hin, sich noch Menschen angesiedelt haben? was von dem prächtigen Amphitheater des Marboré, das dieses Thal am Ende beschließt, wo der steile Berg sich in drei Etagen erhebt, von seinem Rücken der Strom herabstürzt, u. sich oben in die sogenannten Rolandsthürme u. Rolandsmauer (la brêche de Roland) neigt, die immer mit Schnee bedeckt sind? was von dem prächtigen Wege von Barrèges bis Pierrefitte, der an den Seit Wänden der steilsten Felsen, durch die sich der Gave nur mit Mühe sein |3*| Bett öfnet, für große Wagen gebahnt ist, u. obgleich in der Mitte dieses Jahrhunderts gemacht, durch die überwundene Schwierigkeit einem Römerwerke gleicht? was von dem lieblichen Thale von Cauterets, u. dem wilderen, aber auch interessanteren hinter diesem Städtchen, das <immer aufsteigend> von einem schönen Wasserfall zum andren u. endlich an die Ufer eines Bergsees führt, an dessen entgegengesetztem Ende man <ein> mächtiges, einzeln dastehendes Schneegebirge, den Vignemale, sieht? Wir konnten diese Gegenden nur flüchtig durcheilen, wie gerne wären wir länger darin verweilt, wie gern hätten wir mehr u. dieselben öfter gesehn. Ich kann Ihnen nicht beschreiben, wieviel Genuß mir diese großen Naturgegenstände, von denen ich so lauge entwöhnt war, gegeben, wie s tief sie mein Innres erschüttert haben. Wenn wir aus unsrem innren Wesen herausgehen, giebt es einmal nichts, woran wir die Ideen des Erhabenen, des unerschütterlich Festen, des durch sich selbst Bestehenden festhalten können, als das endlose Gewölbe des Himmels über uns, u. die ungeheuren Felsmassen um uns, die, obgleich selbst Geburten der Zeit u. ihrer Umwandlungen, ihr doch ewig zu trotzen scheinen. Nur in diesen Massen, die sich drohend u. furchtbar zu unsrer Seite erheben, wird es dem Menschen recht lebhaft, welche Menge rohen leblosen Stoffs, den er sonst unbemerkt unter seinen Füßen läßt, ihn umgibt u. ihm täglich den Untergang droht, u. wenn man nicht einen Blick in den weiten Aether thun könnte, wenn nicht Sonne oder Sterne freundlich herunter schauten, so weiß ich nicht, wie man nicht, von so ungeheuren Gegenständen eingeschlossen u. niedergedrückt, in sich selbst vergehen müßte. Auf meine Einbildungskraft wenigstens wirkt nichts so schrecklich, als die leb rohe Masse, ohne Leben, ohne Organisation, ein bloßer ** Haufe **** formlosen ungebildeten Stoffes — Gebirge, das weite unfruchtbare Meer, ja wenn die Phantasie es recht zu fassen gestimmt ist, selbst die rollenden Weltkörper, deren ewige Gesetze nur um so furchtbarer sind, als ein **** <undurchdringliches> Geheimniß sie umschleiert. Diese Empfindungen|,| dünkt mich|,| müssen jeden reizbar gestimmten Menschen in einem großen Gebirge begleiten, bald sieht er einen ungleichen Kampf zwischen der rohen Masse der Elemente u. der lebendigen Schöpfung eröfnet, bald fühlt er mit innrem Stolze die geistige Kraft in sich, die ihn gegen jede Natureinwirkung stählt u. über jede eingeschränkte Sphäre erhebt, bald erblickt er in diesen G uralten Gipfeln, mit ruhiger gestimmter Phantasie, nur die stillen Zeugen vieler Jahrtausende, die Grabstätte ganzer Geschlechter von Geschöpfen. In einer solchen Natur können einen nur die einfachsten aber u. höchsten Ideen erfüllen, es sind die letzten Ende aller Fäden unsers Denkens u. Empfindens, die dort zusammenkommen. Da ich keinen bestimmten Gegenstand der Forschung dort hatte, überließ ich mich um so lieber <bloß> diesen Empfindungen; man fühlt von Zeit zu Zeit ein Bedürfniß sich zu sammeln, u. noch mehr, wenn man anderthalb Jahre in dem Gewühl einer großen Stadt gelebt hat. Wie einen aber auch nur ein einziger Tag in einer solchen Natur zugebracht, davon scheidet, das habe ich erst jetzt recht lebhaft erfahren, u. ich bin über mich selbst erstaunt, wie Dinge, an denen ich in Paris den lebhaftesten Antheil genommen hatte, mir da durchaus gleichgültig geworden waren. Der einzige interessantere Mensch, den ich dort sah, war Ramond, |4*| dessen Sie Sich wohl von alter Zeit her aus Strasburg erinnern. Wenigstens sagte er mir, daß er Sie mehrmals gesehen habe, u. Lenzens vertrauter Freund gewesen sey. Er war viel zu wenig mittheilend, um seinen Umgang eigentlich zu genießen, dennoch sah ich ihn immer genug, um manche Bemerkung über das, was eine französische Natur ist, an ihm zu machen. Aus den Pyrenäen reisten wir über Pau nach Bayonne. In Pau ist leider das Schloß, in dem man vor 10 Jahren noch alle meublen aus Heinrichs 4. Zeit sah, jetzt ganz ausgeleert, u. es bleibt nur die sehr schöne Aussicht auf das Gebirge übrig. Bayonne hat nichts Interessantes als das Meer. Aber an diesem brachten wir zwei Tage hintereinander einige schöne Stunden zu. Unsre Kinder spielten mit den Muscheln im Sande, u. wir konnten uns nicht satt sehen an der schönen grenzenlosen Fläche. In Bayonne ließen wir unsren Wagen stehen u. übergaben uns einem sogenannten coche de colleras, den Spanischen Vetturinen, in denen man Schritt vor Schritt mit 6 Mauleseln von einem schlechten Wirthshaus zum andren geschleppt wird. Diese Art zu reisen ist in der That höchst widrig u. langweilig, besonders wenn, wie es bei Castilien der Fall ist, die Gegenden einförmig u. häßlich sind. Die ersten Tage geht es sehr gut. Man reist durch Biscaya, wo Gege Gegend, Cultur, u. die Menschenrace selbst gleich interessant sind. Nie ist mir ein Volk vorgekommen, das einen so ächt nationellen Charakter, eine sich schon auf den Er ersten Anblick so originell ankündigende Physiognomie behalten hat. Selbst die Männer sind zwar gewöhnlich klein, aber fast alle ohne Ausnahme zeichnen sich durch feine u. sprechende Züge aus. Es sind nicht starke u. ausgearbeitete, es sind leicht angelegte u. feine Physiognomien, mehr keck im Ausdruck, als bloß muthig, mehr behend als stark, mehr reizbar als leidenschaftlich. In keiner andren Nationalphysiognomie habe ich je etwas Aehnliches gefunden, unter keinem andren Volke so allgemein den Ausdruck gerade der intellectuellen Kräfte, u. doch deutet nichts in ihrer Bildung auf List oder Schlauheit hin; es ist vielmehr die glücklichste Vereinigung eines feinen Verstandes mit einem geraden u. schlichten Sinn. Die Weiber sind bei weitem minder vortheilhaft gebildet; ihre Züge sind minder fein u. sprechend; aber alle haben eine großgeschnittne, ernste u. sogar strenge Physiognomie, vorzüglich in den großen, schwarzen, wenig gebognen, u. sehr häufig in der Mitte zusammenstoßenden Augenbrauen. Vorzüglich auffallend ist bei den Männern die Leichtigkeit u. Behendigkeit des Ganges. Es gehört in der That nur wenig Uebung dazu, einen Basquen gleich im Gange auch von hinten zu erkennen. Was ich indeß hier sage, gilt mehr von den Französischen, als Spanischen Basquen, u. ich glaube die Ursach zu errathen. Der ursprünglich Basquische Nationalcharakter hat mehr Aehnlichkeit mit dem Französischen, als dem Spanischen, u. mußte sich also in der Nähe des ersteren eigenthümlicher ausbilden. Wer, was freilich schwer genug seyn muß, geläufig ihre Sprache redete, müßte mit Vergnügen u. Interesse eine Zeitlang unter ihnen leben, u. schon mir that es sehr leid, sie so schnell verlassen zu müssen. Fast noch weniger sah ich die Béarner. Auch sie haben etwas überaus Eigenthümliches, weniger Feinheit, aber eine schlanke u. männlich schöne Bildung. Unter den Basquen u. Bearnern findet man, |5*| habe ich bemerkt, mehr als sonst in Frankreich u. Deutschland die Gesichtsbildungen des 15t u. 16.t Jahrh. wieder. Auch ohne zu suchen treffen Sie häufig Köpfe an, denen Sie nur einen Helm aufzusetzen brauchen, um aus ihnen einen Heinrich 4. einen Connétable de Bourbon oder irgendeinen andren jener Helden zu machen. Um die Tolosanische Sprache u. ihre verschiednen Mundarten bis an die Spanische Gränze hin, habe ich mich, soviel mir die Kürze der Zeit verstattete, genau bekümmert u. es wenigstens bis zum Verständniß der Dichte wenigen Dichter gebracht, die diese Sprache besitzt. Sie ist offenbar weicher, wohlklingender, u. gewandter, als die Französische. Aber dennoch möchte ich nicht, wie man manchmal thut, behaupten, daß es besser gewesen wäre, wenn Toulouse der Hauptsitz der Französischen Literatur geworden wäre. Ich möchte nicht behaupten <sagen>, ob sie sich dann je viel über die Lyrischen Tändeleien erhoben haben würde, aus denen die Lemosinische ganz besteht, u. wovon die Ital. u. Span. selbst bei weitem zu viel haben. Ein mehr nordlicher Himmel mußte mehr Stärke u. Gehalt geben, wenn er gleich beides mit Härte u. Trockenheit erkaufte. Es ist unläugbar, daß auch im guten Sinn des Worts die Französische Sprache mehr nordisch, ist als ihre Schwestern, u. hätte der Zufall der Lemosinischen Mundart den Vorzug gegeben, so hätte sie entweder ihre Natur verändern müssen, oder die Französische Literatur hätte nie mehr Gehalt an Gedanken u. Empfindungen bekommen, als die Ital. u. Span. Jetzt ist ihr Vorzug darin, selbst in ihren Anfängen, offenbar. Ich habe mich in Paris beschäftigt, die Dichter des 15t u. 16 Jahrh. zu vergleichen; u. auch in diesen, die an poetischem Werth so offenbar den Span. sogar nachstehen, dennoch so tief menschliche, so rein sentimentale Stellen gefunden, als mir in Ital. u. Spaniern nie aufgestoßen sind, wenn sie <Sie> von den ersten nur Petrarca u. einige andre ausnehmen. Ich habe es mir zum besondren Zweck gemacht, wenn ich je damit zu Stande komme, die Resultate meiner Reisebemerkungen zusammenzustellen, den verschiedenen Geist dieser Literaturen in jenen Jahrhunderten zusammen vergleichen, u. ich hoffe dann deutlich darzuthun, daß die Französische Sprache, trotz ihres gemeinschaftlichen Ursprungs einen ganz u. gar verschiednen Charakter von der ihr so nahen Lemosinischen angenommen, u. daß dieser Charakter hernach den Gang der ganzen Literatur bestimmt hat. Aber die Ursachen davon aufzufinden, ist unendlich schwierig u. sehr schwierig schon nur zu zeigen, in welchen einzelnen Sprachtheilen diese Verschiedenheit liegt. Besonders ist es schlimm, daß man zu diesem Behuf eine Menge schlechter u. mittelmäßiger Sachen lesen muß, aber die Französische Sprache ist auch die einzige, die das sonderbare Phänomen zeigt, daß die schlechten Dichter poetischer sind, als die guten. Ganz wunderbar, um zu meiner Reise zurückzukehren, ist das Gemisch von Mundarten in den Pyrenäen, die Tolosanische Sprache ist da völlig unrein, u. hat ganz spanische, ganz ital. u. ganz französische Wörter. Z. E. die vier Jahreszeiten heißen primavera, estio, lavor (von der Arbeit), hiver. Wenn man je ernstlich an der Volksbildung in Frankreich gearbeitet hätte, wie doch seit der Revolution nöthig gewesen wäre, so hätte eine so unlogisch gebildete Sprache ein großes Hinderniß gewesen seyn müssen. Sogar Englische Wörter haben die Eroberungen der Engländer in Guienne dort gemein gemacht. So habe ich mich lange gequält zu erfahren was eine notre dame de medouse sey, |6*| bis man mir sagte, daß es nichts andres, als notre Dame des prés (von meadow) also eine ist, wie so viele Jungfrauen u. Heil. auf ächt heidnische Weise nach der Lage ihrer Kirchen u. Kapellen heißen. — Die Reise durch Kastilien ist das Traurigste, das man sich denken kann. Von einer so öden Gegend hat man in der That sonst keinen Begriff. Nicht bloß daß Sie lang fahren müssen, um Dörfer zu finden, sondern seltener noch als selbst Dörfer u. Städte sind — Bäume. Das ganze Land ist Eine Fläche u. höchstens begränzen dieselbe am Horizont einige gleich kahle Sandhügel. In diesem Lande muß man mehrere Tagereisen machen, u. nur selten wird man durch einen interessanten Anblick entschädigt. Nichts ist so wunderbar als die Gebirge von Pancorbo, die fast den Eingang in Castilien ausmachen. Auf flachem Felde erheben sich nackte u. steile Felsen, durch die ein enger Paß geht, von so wunderbaren u. grotesken Gestalten, daß|,| wäre Don Quixote in diese Provinz gekommen, man es ihm hätte verzeihen können, wenn er sie für bezauberte Schlösser gehalten hätte. In der That haben einige die Form wahrer Kastelle, u. es scheint, als ständen sie da, um dem Reisenden einen abentheuerlichen Begriff von dem Lande zu geben, zu dem sie ihm den Zugang verstatten. In Burgos, Valladolid, u. Segovia sind gothische Gebäude, welche die Aufmerksamkeit des Reisenden verdienen, doch mehr in dem Maurischen Geschmack, der weniger groß in den Formen, aber zierlicher u. reicher in den Détails ist. Nur die Kathedralkirche von Segovia gleicht den großen Gothischen Gebäuden in Deutschland u. der Lombardei. Bei weitem das Merkwürdigste aber auf diesem Wege ist die Wasserleitung in Segovia. Sie ist noch vollkommen erhalten, u. es ist vorzüglich von einer Seite ein majestätischer Anblick, diese Reihe schöner Bögen zwei beträchtliche Hügel verbinden, u. zu ihren Füßen die Stadt liegen zu sehen. In St. Ildefonso beschäftigte uns einen Tag lang die Antikensammlung, die auch, außer den schon bekannten Stücken, noch einige nicht verächtliche besitzt. Der Weg von da nach dem Escorial über den pont de Guadarama ist darum merkwürdig, weil man über ziemlich hohe Berge fährt, die schon großentheils mit Schnee bedeckt waren, u. von denen man eine weite Aussicht hat. Im Escorial fanden wir den Hof. Wir blieben 10 Tage dort u. seit dem 5. November sind wir hier in Madrid.

Der wichtigste Gegenstand bei einer Reise in Spanien, ist der erstaunliche große Schatz prächtiger Gemälde, die hier überall verstreut sind. Der Reichthum des Escorials allein übertrifft bei weitem, was man gewöhnlich davon erwartet, u. die Reisebeschreiber, die ich wenigstens kenne, geben nur höchst unvollständige Nachrichten davon. Meine Frau macht sich ein eignes Geschäft daraus|,| sie sammtlich, zwar kurz aber doch ausführlich genug, um einen deutlichen Begriff von dem Bilde zu geben, zu beschreiben; sie bestimmt diese Arbeit Ihnen, u. der Gedanke, Ihnen damit Freude zu machen, stärkt ihren Fleiß u. ihre Geduld dabei. Denn in der That ist es eine sehr mühselige Arbeit, u. da ihre Gesundheit hier schon mehrmals gelitten hat, so hätte sie wirklich unter einige mit Wahrheit, wie weiland der König von Preußen, schreiben können: in doloribus fecit. Wir lachen dann über die Mühe, die man sich zum Reisen giebt, u. freuen uns der Zeit, wo wir uns gemeinschaftlich mit Ihnen u. Schiller nur der Reise Beschwerden zurück erinnern werden. Im Ernst aber |7*| hoffe ich, sollen Sie mit dieser Arbeit recht zufrieden seyn. Mehrere, namentlich die Raphaels, scheinen mir in der Beschreibung wirklich sehr gut gerathen. Besonders hat meine Frau immer gesucht, einen deutlichen Begriff von der Composition u. der Stellung der Figuren zu geben, u. hernach einiges zur Beurtheilung des Bildes hinzugefügt. Nur müssen Sie uns erlauben, diese Beschreibungen|,| bis sie sämmtlich vollendet sind, bei uns zu behalten. Es ist unmöglich, auf der Reise selbst alle nothwendigen Notizen zusammenzubringen u. man muß selbst durch die Vergleichung andrer Bilder, besonders der Spanischen Mahler, noch manches berichtigen. Auch wird meine Frau zuletzt noch Einiges Allgemeine über die Spanische Schule im Ganzen hinzusetzen, u. auch die vorzüglichsten Lebensumstände der Spanischen Mahler aus Palomino u. andren ausziehen. Das Ganze wird alsdann ein ziemlich beträchtliches Werk werden, denn schon jetzt hat meine Frau bloß aus dem Escurial u. dem neuen Schloß hier über 250 Artikel. Indeß|,| dächte ich, ließe es sich doch theilweise bequem in den Propyläen einschalten, u. auf alle Fälle berathschlagen wir gemeinschaftlich den Gebrauch, der sich davon wird machen lassen. Da meine Frau unmöglich allein mit allem fertig werden könnte, so hilft ihr ein junger Mensch, den ich jetzt bei meinen Kindern habe, u. der eigentlich Zeichner u. Kupferstecher ist. Soviel ich von seinen Beschreibungen gesehen habe, scheinen sie mir gleichfalls ganz befriedigend. Auch er hat schon eine gute Anzahl. Ich selbst nehme an diesen Arbeiten so gut, als gar keinen Theil. Ich habe zu sehr gelernt, wie schwer es ist|,| nur z. B. in der Poesie ein irgend sichres Urtheil zu haben, um auch über Bilder rathen zu wollen. Das Schlimmste ist nur, daß man hier viele Weitläuftigkeiten überwinden muß, ehe man zum Sehen gelangt. Außer den königl. Erlaubnissen, die überall nöthig sind, außer den sehr theuren Trinkgeldern sind dennoch die Schlösser nur sehr wenige u. zum Theil unbequeme Stunden offen. Da man aber gegen uns sehr zuvorkommend ist, so finden wir wenigstens bessren Zugang als andre. — Stellen Sie Sich indeß nur vor, liebster Freund, daß sehr schöne Bilder von Rubens, von Titian, von Guido Reni hier in dunkle Kammern verwiesen sind, weil man sie unanständig findet, Bilder die (so inconsequent ist man) nicht mehr Nacktheiten zeigen, als andre, die man ausstellt. Eine göttliche Venus von Titian, vielleicht die schönste, die existirt,[a] wenigstens gewiß über die in Dresden, hat noch (vor |sic| wenigen Jahren (doch möchte ich nicht|,| daß dies bekannt würde) den Flammen übergeben werden sollen, u. ist nur mit Mühe gerettet worden.

Ich für meinen Theil suche mir, soviel ich kann, einen anschaulichen Begriff des Landes u. der Nation zu verschaffen. Ich lerne soviel Leute kennen, als ich kann, ich gehe der neueren Literatur nach, suche die alte auf u. s. f. Einen wesentlichen Vortheil dazu gewährt mir das, daß ich der Sprache so weit mächtig bin, um auch allenfalls ein raisonnirendes Gespräch mit Leichtigkeit zu führen. Etwas, das allgemein sehr interessant wäre, Männer von eignen u. originellen Ideen, Leute, die in einer oder andren Wissenschaft Entdeckungen gemacht hätten, finde ich selten, aber interessant für mich sind diese Nachforschungen immer, weil sie die Nation kennen lehren, weil man sehr häufig auf Menschen stößt, die sich, trotz aller wirklich unglaublichen Schwierigkeiten, zu einem hohen Grade der Aufklärung emporgearbeitet haben, u. endlich weil einen die biedere Gutmüthigkeit freut, mit der man hier ausgenommen |8*| u. die unaffectirte Gefälligkeit, mit der man behandelt wird. Unter den neueren Dichtern sind einige sehr gute, u. für die Poesie ist es gewiß falsch, was man gewöhnlich glaubt, daß das goldene Zeitalter der <Span.> Literatur vorbei sey. Moratin u. Melendez sind auch im Auslande bekannt. Aber noch heute sah ich einen, dessen Name schwerlich noch jenseits der Pyrenäen erschollen ist, einen gewissen Quintana, von dem ich einige wirklich gute Productionen kenne, u. der ein sehr guter Kopf scheint. Moratin hat neuerlich den Hamlet übersetzt, aber leidet in Prosa; er hat mich gebeten, ihn mit dem Original zu vergleichen u. ihm meine Bemerkungen darüber zu sagen, u. ich werde mich jetzt an diese Arbeit machen. Ueberhaupt aber ist man hier gegen Shakespeare, sowie gegen jedes Genie, das die engen Regeln verläßt, ungerecht, u. ahmt darin, wie in so vielen andrem|,| leider den Franzosen nach. Das Theater besuche ich nur der Sprache wegen, zu ästhetischen Beobachtungen darüber ist es noch nicht reif. Es trägt noch die deutlichsten Spuren der ersten u. rohesten Anfänge des Theaters an sich, u. die Stücke werden recht eigentlich dem Publikum vortragirt, u. nur um den Uebergang von da zur eigentlichen Mimik kennen zu lernen, könnte es wichtig sein. Originelle Vorzüge hat es indeß im niedrig komischen Spiel; erst gestern sah ich ein Zigeunerstück von einer so volksmäßigen Zierlichkeit, Coquetterie u. Feinheit, daß keine Schauspielerin keiner Nation es dieser Zigeunerin nachmachen könnte. – Sollte ich nach meinem jetzigen Aufenthalte eine allgemeine Bemerkung über Spanien machen, so wäre es die, daß man dies Land so sieht, wie Europa überhaupt im 16t Jahrh. z. B. gewesen seyn muß. Ich sage das nicht sowohl in Rücksicht auf moralische Finsterniß u. Barbarei. So wäre das Urtheil über Spanien ungerecht u. außerdem sehr trivial. Aber vorzüglich finde ich diese Aehnlichkeit darin, daß in Sprache, Sitten u. Gebräuchen hier weniger Unterschied zwischen dem Volk u. den höhern Ständen herrscht. Es ist mehr schlichte Einfachheit u. Natürlichkeit, als im übrigen Europa. Es gibt doch keine größere Scheidewand unter den verschiednen Ständen, als die, welche die feinere intellectuelle Bildung errichtet, u. diese Scheidewand fehlt hier. Je später sich eine Nation ausbildet, desto unübersteiglicher ist, dünkt mich diese Scheidewand. Sie existirt kaum in Spanien, weil die Bildung dort ihren Gipfel fast im 16t Jahrh. erreicht hatte; sie ist geringer in Frankreich|,| weil, die übrigen Ursachen auch nicht gerechnet, auch dort die feinere Bildung schon alt ist, sie ist unendlich groß in Deutschland; bei uns ist in der That eine intellektuelle Aristokratie; wer nicht zur Kaste gehört, kann auch selbst unsre leichtesten Schriftsteller kaum verstehen. Die Ursach scheint mir nahe zu liegen. Die Bildung in diesen letzten Zeiten ist schnell, sie ist vorzüglich philosophisch gewesen, u. hat ganz u. gar d|urc|h. Schriftsteller Fortschritte gemacht. In den frühren Zeiten war sie langsamer u. sinnlicher, das Volk konnte damals nachkommen, jetzt eilt man ihm ohne alle Hofnung der Möglichkeit des Einholens voraus. Auch im Mittelalter gab es sogenannte hohe Wissenschaften, Metaphysik u. scholastischen Wust. Aber er blieb immer in seiner engen Sphäre. Jetzt|,| wo alle Wissenschaften enger verbunden sind, geht auch die Philosophie mehr in alle über, u. hat einer einmal mit Beifall |9*| ein System aufgestellt, so tönt es dem armen Laien aus allen Ecken wieder, u. er muß, wie vor einem verschloßnen Schrank|,| davor stehen bleiben. Gerade was hätte dazu beitragen sollen, die Wissenschaften populär zu machen, hat die entgegengesetzte Wirkung gehabt. Sonst schrieb man|,| was schwerer war|,| Lateinisch, u. was man in der Muttersprache schrieb, machte man auch für das Volk verständlich. Jetzt fällt diese letztere Bemühung fast ganz hinweg.

Ihre beiden Briefe vom 16. 7br. u. 28. 8br. habe ich richtig erhalten, u. danke Ihnen herzlich dafür. – Was die Basreliefs aus Athen betrift, so steht es damit so: Es war|en,| wenn Sie sich recht erinnern|,| zwei Dinge, die ich Ihnen versprach: 1., eine Vergleichung von Zeichnungen der Basreliefs des Tempels der Minerva, die sich auf der NationalBibl. in Paris befinden|,| mit den Stewardschen |sic| Zeichnungen. 2., eine genauere Beschreibung der nach Paris wirklich gebrachten Abdrücke. Die erstere ist gemacht, u. ich habe sie vor mir liegen. Allein ich muß sie erst durchsehen u. abschreiben lassen, weil ich nur das einzige Exemplar habe, u. dies nicht gern der Post allein anvertrauen möchte. Das zweite ist schwerer, um so mehr, als Sie mehr, als Beschreibung, sogar Abdrücke wünschten. Der junge Catel, der die Vergleichung gemacht hat, ist nicht mehr in Paris. Auch war er nicht recht tauglich zu einer irgend guten Beschreibung solcher Kunstwerke. Allein ich habe einen andren Freund von mehr Genie u. mehr Kunstkenntniß in Paris, einen jungen Bildhauer aus Berlin, der wirklich viel Talent besitzt|,| u. diesem habe ich aufgetragen, Ihnen zu schreiben, u. Ihnen wo möglich einige Basreliefs abzuzeichnen. Er thut es gewiß, nur ist er kränklich und zögert also vielleicht etwas. Wegen des Abgusses habe ich ihm gleichfalls Auftrag gegeben, u. ihm die Mittel u. Wege angezeigt. Allein ich zweifle, daß er es erlangt. Es wird gewiß schwierig seyn, u. so manche dazu dienliche Bekanntschaft ich auch wohl hätte, so ist doch so etwas, wie Sie selbst sehen, schriftlich nicht zu versuchen. Im Frühjahr aber komme ich selbst nach Paris u. ist alsdann mein Freund Tieck nicht glücklich gewesen, so versuche ich noch mein Heil. An meiner Bemühung soll es gewiß nicht liegen, nur sind gerade die Basreliefs unter Aufsicht eines nicht sehr gefälligen Mannes u. den ich nicht persönlich kenne.

Daß Sie meinem Aufsaze über die tragische Französische Bühne einen Platz in den Prop. verstatten, ist mir sehr angenehm, u. ich danke Ihnen von ganzem Herzen dafür. Ich wünsche nur, daß ich der Deutschen gehörig Gerechtigkeit habe widerfahren lassen. Ich kenne sie, offenherzig gesprochen, zu wenig. Ich besonders habe immer den Fehler begangen|,| in meinem Vaterlande nur das Beste sehen zu wollen, u. auf Reisen geht man jeder Kleinigkeit nach. Es steht mir noch bevor, jetzt in Deutschland zu reisen. Auf Ihren Mohamet bin ich sehr begierig. Ich habe es immer für unmöglich gehalten|,| eine Französische Tragödie deutsch für Deutsche zu übersetzen. Gotters Alzire ist, dünkt mich, zu sehr Französisch geblieben.

Mit dem armen Ich scheinen Sie mir (ich meyne nicht den Hergang, sondern Sie in Ihrem Briefe) nicht glimpflich genug umzugehen. Die Metaphysik ist einmal die Basis alles eigentlichen Denkens|,| u. nun wollten Sie nicht da auch der Sonderbarkeit einigen Spielraum gönnen? Auch verzweifle ich noch nicht an der Haltbarkeit des Fichtischen Systems. Stellen Sie Sich nur vor. Ein Prof. in Agen (leider sah ich ihn nicht) studirt die Kantische Philosophie u. auch in Madrid ist wenigstens sein <ihr> Name bekannt. |10*| Wenn ich nicht fürchtete, von Ihnen als Missionar verlacht zu werden, so möchte ich Ihnen sagen, daß ich noch heute einem Spanier die allein seligmachende Lehre gepredigt habe. Aber auch in der Philosophie haben die Franzosen hier alles angesteckt.

Sagen Sie Schiller, daß es nicht recht sey, mich ganz zu vergessen. Es ist unendlich lange her, daß ich keine Zeile von ihm gesehen habe.

Wir reisen Mitte December von hier nach Cadiz ab, u. gehen über Granada, Valencia u. Barcelona nach Frankreich zurück. Wir sehen mithin noch einen schönen Theil Spaniens. Machen Sie uns ja die Freude|,| noch in Spanien Briefe von Ihnen zu erhalten. Adressiren Sie sie: à Mr. le Baron de H. à Madrid, chez Monsieur de Tribolet-Hardy, Conseiller d’Ambassade de S. M. le Roi de Prusse, calle Cantarranas, nr. 6.

Der Schiller hat meiner Frau selbst zu ihrer Entbindung[b] Glück gewünscht. Grüßen Sie ihn u. sie u. unsern theuren Meyer aufs Herzlichste.

Von ganzer Seele

Ihr

H.


Sie zeigen diesen Brief wohl nur Schillern. Vor einem andren als Ihnen beiden möchte ich nicht mit so précocen Urtheilen erscheinen. — Verzeihen Sie, wenn er vielleicht theuer ist. Man kann aus Spanien schlechterdings nicht frankiren.

Meine Frau grüßt Sie vom Herzen.

Mein Bruder ist in Cumana in Südamerika glücklich angekommen; er ist sehr vergnügt u. hat, wie er mir schreibt, interessante Beobachtungen, vorzüglich auf dem Pic de Teneriffa gemacht. Er will einige Monate in Cumana u. Carracas bleiben u. wird, da sein letzter Brief schon vom 16. Jul. ist, wohl jetzt nach der Havana gegangen seyn.

Der Smaragdstufe trachte ich nach u. denke sie gewiß zu bekommen.

Anmerkungen

    1. a |Editor| Gemeint ist wohl die "Venus mit dem Orgelspieler", heute in Madrid, Museo del Prado, Inv. 420. Vgl. V. Herzner (1993): Tizians Venus mit dem Orgelspieler. In: K. Güthlein – F. Matsche (Hrsg.): Begegnungen. Festschrift für Peter Anselm Riedl zum 60. Geburtstag, Worms: Wernersche Verlags-Gesellschaft, S. 80ff. [FZ]
    2. b |Editor| Das vierte Kind von Caroline und Wilhelm von Humboldt, Adelheid, sollte am 17. Mai 1800 in Paris zur Welt kommen. [FZ]

    Über diesen Brief

    Eigenhändig, Kurrentschrift
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    Quellen

    Handschrift
    • Grundlage der Edition: Weimar, GSA, Goethe, egg. Br. 439, Nr. XXII
    Druck
    • Bratranek 1876, S. 137–154; Geiger 1909, S. 102–118; Rößle 1952, S. 208–220; Freese 1955, S. 372–378; Herwig, Wolfgang (Hrsg.) (1965–1987): Goethes Gespräche. Eine Sammlung zeitgenössischer Berichte aus seinem Umgang auf Grund der Ausgabe und des Nachlasses von Flodoard Freiherrn von Biedermann, Zürich: Artemis, Bd. 1, S. 53
    Nachweis
    • Mattson 1980, Nr. 607

    In diesem Brief

    Zitierhinweis

    Wilhelm von Humboldt an Johann Wolfgang von Goethe, 28.11.1799. In: Wilhelm von Humboldt: Online-Edition der Sprachwissenschaftlichen Korrespondenz. Berlin. Version vom 31.08.2020. URL: https://wvh-briefe.bbaw.de/603

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