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Wilhelm von Humboldt an August von Kotzebue (?), 20.08.1806

|1r| Rom, den 20. August, 1806.
Hochwohlgebohrener Herr,
Hochzuverehrender Herr,

Ew. Hochwohlgeb. hätten mir keinen angenehmeren Beweis Ihres gütigen Andenkens gegen <geben> können, als indem Sie mir einen Auftrag ertheilen, welcher Ihre Geschichte Preußens betrift, von der Sie mir schon hier mit so vieler Liebe und so vieler Wärme sprachen. Sobald Ihr Brief vom 29. Junius am 15. d. hier einlief, habe ich mich wegen Ihres Verlangens an Monsignor Marini (den Ihnen gewiß bekannten gelehrten Verfasser mehrerer antiquarischer Werke) gewandt, und ihm zugleich einen italienischen Auszug aus Ew. Hochwohlgeb. Briefe mitgetheilt. Er ist zugleich Aufseher der Vaticanischen Bibliothek und des Päpstlichen Archives, und war also gerade der Mann, von dem allein die Aufklärungen, die Sie wünschen, erhalten werden konnten. Er schickt mir so eben anliegende schriftliche Antwort, aus welcher Ew. Hochwohlgeb. sehen werden, daß die Geschichte des Bischofs Cristian hier leider nicht vorhanden ist, seine Berichte u. die an ihn gericht-|1v|teten Breven aber sämmtlich gedruckt sind. Marinis Antwort scheint mir in der That schon erschöpfend; sollten indeß Ew. Hochwohlgeb. andre Erläuterungen wünschen, sollten Sie einige der citirten Werke dort nicht finden können, u. Abschriften der ihnen wichtigen Documente daraus wünschen, oder sollte es Ihnen nöthig scheinen, auch ein schon ganz oder im Auszug gedrucktes noch einmal mit dem Original zu vergleichen, so bitte ich Sie, sie u. ohne Rückhalt über mich zu gebieten, und ich eile deshalb, Ihnen die Anlage zu schicken, damit so wenig als möglich Zeit für etwanige weitere Anfragen verloren gehen möge.

Sie können nicht glauben, wie angenehm es ist, unter lauter sehr heterogenen und gleichgültigen Geschäften, wie die hiesigen meistentheils sind, literärische Aufträge zu erhalten, und ich schmeichle mir, daß Sie es nicht bloß für eine gewöhnliche Höflichkeitsformel ansehen, wenn ich Ihnen sage, daß es mir doppelt schätzbar ist, dieselben von Ew. Hochwohlgebohren zu empfangen.

Indem ich Ew. Hochwohlgeb: auf das freundschaftlichste für die Güte danke, mit der Sie Sich unseres hiesigen Zusammenseyns erinnern, und nur nochmals bedaure, daß Sie Rom nur so wenige Wochen schenken konnten, habe ich die Ehre, mit der ausgezeichnetsten Hochachtung zu verharren
Ew. Hochwohlgeb:
gehorsamster
Humboldt.

Über diesen Brief

Eigenhändig
Schreibort
Antwort auf
-
Folgebrief
-

Quellen

Handschrift
  • Grundlage der Edition: Berlin, SBBPK, Autogr. I/2552
Druck
-
Nachweis
  • Mattson 1980, Nr. 1632
Zitierhinweis

Wilhelm von Humboldt an August von Kotzebue (?), 20.08.1806. In: Wilhelm von Humboldt: Online-Edition der Sprachwissenschaftlichen Korrespondenz. Berlin. Version vom 31.08.2020. URL: https://wvh-briefe.bbaw.de/690

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