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  3. Nr. 722

Wilhelm von Humboldt an Maximilian Trippel, 03.01.1829

|1; in der linken Spalte:|
An Hr. Max Trippel Wohl. in Potsdam [a]
Berlin. 3t Jan. 29

Die Handschrift welche Eu. die Güte gehabt haben mir zu schicken scheint diejenige zu sein nach welcher das gedruckte Koptische Lexikon herausgegeben worden ist. Dies Lexikon ist nehmlich i. J. 1775 in Oxfort |sic| herausgekommen und durch Scholtz und Woide besorgt worden. Ursprünglich war es aber die Arbeit des damals längst verstorbenen La Croze der es schon im J. 1721. vollendet hatte. Die Jahrzahlen treffen genau überein. Denn die Handschrift ist von 1721. und in der gedruckten Ausgabe ist in der 1774. unterzeichneten Vorrede |2| gesagt, daß die La Crozesche Arbeit vor 53 Jahren gemacht worden sei. Die Vorrede der Handschrift Eu. p. ist in dem gedruckten Lexicon nicht abgedruckt, sie war aber schon viel länger ohne das Werk selbst in dem Brehmeschen Ephemeriden[b] erschienen.

Soviel ich Eu. Handschrift mit dem gedruckten Lexikon zur Vergleichun <zu> vergleichen Zeit gehabt habe, so ist zwischen beiden kein wesentlicher Unterschied|.| Ew. Wohlgeb. Handschrift hat bloß bei einigen Artikeln mehr Citate Biblischer Stellen. Auch sind diese Stellen inderselben meistentheils ganz abgedruckt, da das gedruckte Lexikon |3| nur die Zahl des Kapitels u. des Verses <der Kapitel u. der Verse> angiebt. Dagegen hat das gedruckte Lexikon die Zusätze von Scholtz u. Woide u. die Griechischen Register. In der Anwendung ist insofern eine Verschiedenheit daß die Wörter des Saitischen Dialekts in Eu. Handschrift hinter jedem Buchstaben angefügt im gedruckten Lexicon aber sämmtlich besonders zusammen gestellt sind.

Aus dem Gesagten werden Sie selbst ber beurtheilen daß Ihr Lexikon als Handschrift keine große Wichtigkeit besitzt, da man es gedruckt sehr leicht haben kann, und da das gedruckte |4| Lexikon noch den Vorzug der Bearbeitung seiner späteren Herausgeber hat. Indeß ist das Manuskript insofern immer interessant als es die eigenhändige Urschrift eines längst verstorbenen verdienstvollen Gelehrten zu sein scheint. Ich be+ mag Ew. p. Handschrift nicht der Post anvertrauen. Ich hoffe aber Ihnen dieselbe durch meinen Bruder der sehr oft nach Potsdam reiset zukommen lassen zu können.

Empf E W. * * voll.
H.
|Anmerkung von Buschmann:| (Brief von Wilh. v. Humboldt.) (von des Secretärs Hand.)

Anmerkungen

    1. a |Editor| Darunter unleserliche Zeichen in Kurzschrift(?).
    2. b |Editor| Gemeint ist damit die 1721 in Bremen erschienene Bibliotheca Historico-Philologico-Theologica, Classis 5, Fasc. 4, Bremen: Typis Hermanni Braueri, S. 745–753; zu dem Begriff "Brehmesche Ephemeriden" vgl. die Angabe "Éphémérides de Brême" bei J.-M. Quérard (1830): La France littéraire, ou Dictionnaire bibliographique, Tome 4, S. 381 s.v. Lacroze (dort ist als Erscheinungsjahr "1722" angegeben). [FZ]
    Zitierhinweis

    Wilhelm von Humboldt an Maximilian Trippel, 03.01.1829. In: Wilhelm von Humboldt: Online-Edition der Sprachwissenschaftlichen Korrespondenz. Berlin. Version vom 18.10.2021. URL: https://wvh-briefe.bbaw.de/722

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