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  3. Nr. 894

Theodor von Schön an Wilhelm von Humboldt, 08.12.1828

Der Blitz (Ueber den Dualis S. 4. u. 11) hat, wie er mußte, gezündet. Herr v. Bohlen, der Verfasser des Aufsatzes über die altpreußische Sprache im ersten Bande der Voigtschen Geschichte von Preußen hat die Vergleichung fortgesetzt. Er war mit mir selbst in Litthauen hat altindische Wörter und Redensarten den Litthauern vorgesetzt, und sie haben ihn verstanden, er hat dasselbe mit einem dortigen Schriftgelehrten, der ein vollendeter Litthauer seyn soll, versucht, und der ehrwürdige Herr stand voll von Bewunderung da. Herr v. Bohlen hat es mir erlaubt, den betr. Aufsatz unter der Bitte der Rückgabe mitzutheilen. Ich sagte ihm nach der Vorlesung des Aufsatzes in der deutschen Gesellschaft: Wer da Feuer macht, der hat doch wohl das nächste Recht, sich an dem Feuer zu erwärmen und zu erfreuen, und er gab mir den Aufsatz für Sie. Aber Wie? und [Lücke im Brief] das sind hier bis zum Verstummen gewaltige Fragen. Das [Lücke im Brief] Schrift verleihet die Sprache, und das Volk ohne Schrift behält sie lebendig.

– Wir müssen alle Bücher verbrennen, oder es giebt noch etwas Höheres als Sprache und Schrift, und da wird wohl die Idee superior liegen. Genug! Wer erzeugt (blitzt) der muß auch seine Kinder und Kindeskinder im Auge behalten, und daher die Beilage.

Aber böse bin ich, daß Sie mir den Aufsatz über den Dualismus nicht geschickt haben. Die Gelehrsamkeit bliebe immer der Gelehrten Zunft, aber der gewaltige Blick in die Tiefe des menschlichen Wesens, der kam auch mir zu.


Schön.
Zitierhinweis

Theodor von Schön an Wilhelm von Humboldt, 08.12.1828. In: Wilhelm von Humboldt: Online-Edition der Sprachwissenschaftlichen Korrespondenz. Berlin. Version vom 18.10.2021. URL: https://wvh-briefe.bbaw.de/894

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