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Wilhelm von Humboldt an Carl Eduard Meinicke, 11.11.1832

Seitdem Ew. Wohlgeboren mir die Ihnen geliehenen Bücher zurückgeschickt hatten, hatte ich oft mit Sorge an Sie und die Unterbrechung Ihrer Studien gedacht. Um so mehr hat mich in Ihrem gütigen Schreiben die Nachricht erfreut, dass Sie sich vollkommen wieder hergestellt fühlen. Ich wünsche den besten Fortgang und danke Ihnen, dass Sie mir Gelegenheit geben, wenn auch nur auf unbedeutende Weise, Ihre Bemühungen zu unterstützen.

Ich bin in diesem Augenblick mit der Beendigung meiner Schrift über die Kavi-Sprache beschäftigt und da sich dieser Gegenstand nicht ohne mannigfaltige Rückblicke auf den ganzen Archipel ausführen lässt, so brauche ich wirklich die beiden von Ihnen gewünschten Bücher. Dies hindert mich indess nicht, Ihnen dieselben mitzutheilen und Sie werden dieselben in wenigen Tagen durch Herrn Geheimerath Wilcken erhalten. Ich lasse mir nämlich eine Stelle aus dem Marsden der Bibliothek abschreiben und wegen des mir gehörenden anderen Buches erlaube ich mir nur die Bedingung, dass Ew. Wohlgeboren mir dasselbe, wenn ich es brauchen sollte, unverzüglich auf mein Verlangen zurückschicken. So sind Sie in der Benutzung beider Bücher in der Zeit nicht beschränkt, nur bitte ich Sie, mich zu benachrichtigen, wann Sie der Bibliothek den Marsden zurückschicken.

Ueber den Threlkeld erlauben Sie mir noch einige Worte. Ich habe ihn sehr durchgearbeitet und meine Absicht ist die Sprachen der Austral-Neger in meiner Schrift nicht unberührt zu lassen. Mein Absehen geht nun zwar vielmehr auf Grammatik als Wortvorrath. Doch wollte ich hier Wörtersammlungen geben. Denn so wie es meine Meinung ist, dass es in den Malayischen Sprachen vielmehr Sanskritwörter giebt als man gemeinhin glaubt und im eigentlich Malayischen ohne Vergleich mehr als Marsdens Lexicon angiebt, so scheint es mir auch, dass die Sprachen der Austral-Neger nicht so gänzlich geschieden sind von den Malayischen. Der Threlkeld enthält aber so unglaublich es scheint kaum über sechszig wahre Wörter wenn man Hülfsverba Pronomina und Partikeln abrechnet. Wüsste ich nun, dass Ew. Wohlgeboren in Ihrem Programm oder in den nächsten Monaten darnach über die Sprachen der Austral-Neger reden und vielleicht auch Wörtersammlungen geben wollten, so würde ich mich entweder wenn ich dem von Ihnen Gesagten nichts hinzuzusetzen wünschte kurz darauf beziehen, sonst aber es meinen Bemerkungen zum Grunde legen. Ew. Wohlgeboren würden mich daher sehr verpflichten, wenn Sie die Güte hätten, mir zu sagen, was eigentlich Ihre Absicht über die Sprachen der Austral-Neger ist und wann und wie Sie Ihre Arbeiten darüber erscheinen zu lassen gedenken?

Ich habe mit grossem Interesse die Recension gelesen, welche das Octoberstück der Berlinischen Jahrberichte von Ihnen enthält. Ich kannte nicht die Aufsätze von Blume. Wo könnte ich dieselben mir wohl zum Lesen verschaffen?

Ich bin so frei Ew. Wohlgeboren eine Kleinigkeit von mir beizulegen, die ich Sie zu behalten bitte. Es ist mir leid die wunderbare Vorerinnerung nicht davon trennen zu können. Ew. Wohlgeboren werden sie nicht missdeuten.

Empfangen Sie die wiederholte Versicherung meiner vollkommensten Hochachtung.
Humboldt.
Tegel, den 11. November 1832.

An
Herrn Rector Dr. Meinicke
Wohlgeboren in Prenzlow.

Über diesen Brief

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Quellen

Handschrift
Druck
  • Grundlage der Edition: Sophus Ruge (1878): C. E. Meinicke. Eine biographische Skizze. In: Jahresbericht des Vereins für Erdkunde zu Dresden 15, S. 75f.; Humboldt 2017, S. 616f.
Nachweis
  • Mattson 1980, Nr. 8463

In diesem Brief

Zitierhinweis

Wilhelm von Humboldt an Carl Eduard Meinicke, 11.11.1832. In: Wilhelm von Humboldt: Online-Edition der Sprachwissenschaftlichen Korrespondenz. Berlin. Version vom 31.08.2020. URL: https://wvh-briefe.bbaw.de/911

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