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Wilhelm von Humboldt an Carl Eduard Meinicke, 25.11.1832

Ich statte Ew. Wohlgeboren meinen herzlichsten Dank für Ihren mir so überaus schmeichelhaften Brief vom 19. hujs. ab und freue mich sehr nunmehr den Plan Ihrer Arbeiten besser übersehen zu können. Ich kann demselben nur meinen ungetheilten Beifall schenken. Die Untersuchung über den Zustand, welcher in jener Inselwelt vor und unabhängig von dem Indischen Einflusse herrschte, ist gewiss die Grundlage jeder richtigen über diese Gegenden zu fassenden Ansicht und wiederum hierin mit Neu-Holland zu beginnen, ebenso zweckmässig. Denn dieser grosse Continent ist es doch wohl, von dem man die Inselbevölkerung, die seinen Bewohnern am meisten ähnlich ist, als ausgewandert, oder durch Naturereignisse abgerissen betrachten muss. Eine Erörterung des Zustandes desselben wird aber auch ausserdem gewiss sehr willkommen sein, da man wirklich sich jetzt mit ganz zerstückelten Nachrichten darüber behelfen muss.

Ew. Wohlgeboren sind so gütig, mir die von Ihnen gemachten Sammlungen über die sogenannten Austral-Neger anzubieten. Zu meiner jetzigen Schrift kann ich dieselben eigentlich nicht brauchen, so dankbar ich die Güte des Anerbietens erkenne. Es würde mich zu weit führen, in diese Materie tief einzugehen. Es wäre doch aber sehr schade, wenn so schöne Sammlungen dem Publikum lange entzogen blieben und meine Schrift könnte die Gelegenheit gewähren sie mitzutheilen. Ich könnte nämlich in einem Anhange eine Sammlung aller bis jetzt bekannten Wörter der Austral-Neger, welche ich natürlich als von Ihnen herkommend aufführen würde, geben. Unter Austral-Negern, was allerdings ein schwankender Name ist, müsste man denn ausser Neu-Holland und Neu-Guinea die Inseln und Stämme verstehen, die nicht sichtlich der Sprache nach zu den Malayischen und nicht, wie ganz offenbar, das dem Tahitischen so nahverwandte Neu-Seeland und die Fidgi-Inseln, zu den Südsee-Inseln gehören. Ew. Wohlgeboren dürften nur die Wörter geographisch und nach den verschiedenen Quellen vertheilt mir mittheilen. Die alphabetische Anordnung, wenn sie noch fehlen sollte und die Zusammenstellung aller in ein Deutsch-Australisches Wortverzeichniss würden meine Sorge sein. Dies wäre wenn Ew. Wohlgeboren damit übereinstimmten mein Plan. Doch muss ich mir vorbehalten, Ihnen genauer davon zu schreiben, wenn der Druck meines Werkes angegangen sein wird. Es ist dann noch vollkommen Zeit, weil derselbe doch gewiss einige Monate dauert.

Für den Augenblick aber würden Sie mich sehr verbinden, wenn Sie mir zu sagen die Güte hätten, ob Ihre Sammlungen etwas Näheres über folgende zwei Punkte enthalten.

1.

Der Nahme der Papuas wird bekanntlich von dem der Sprache auf Malacca eigenthümlichen Worte papuah , gelockt, lockig, abgeleitet und dies Wort ist auch ein Javanisches. Dennoch zweifle ich, dass es wahrhaft Malayischen Ursprungs ist und wünschte von Ew. Wohlgeboren zu erfahren, ob es Ihnen vielleicht unter Wörtern von Neu-Guinea, oder von Inseln gleicher Bevölkerung aufgestossen ist?

2.

Das für Gott auf Neu-Guinea übliche wat, wird bekanntlich von mehreren Schriftstellern, ich denke auch von Marsden , für eine Verstümmelung von avatâram gehalten. So ungewiss dies nun an sich scheint, so gewinnt es doch dadurch an Wahrscheinlichkeit, dass unter den wenigen bei Forrest gegebenen Wörtern einige sichtbar Sanskritische sind. Haben Sie aber vielleicht diesen oder einen ähnlichen Ausdruck auch in anderen Gegenden negerartiger Bevölkerung gefunden?

Ich bitte Ew. Wohlgeboren die Ausführlichkeit dieses Schreibens gütigst zu entschuldigen und die Versicherung meiner vollkommensten Hochachtung anzunehmen.
Humboldt.
Tegel, den 25. November 1832.


An
Herrn Rector Meinicke
Wohlgeboren in Prenzlow.
Zitierhinweis

Wilhelm von Humboldt an Carl Eduard Meinicke, 25.11.1832. In: Wilhelm von Humboldt: Online-Edition der Sprachwissenschaftlichen Korrespondenz. Berlin. Version vom 31.08.2020. URL: https://wvh-briefe.bbaw.de/912

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