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  3. Nr. 913

Wilhelm von Humboldt an Carl Eduard Meinicke, 14.12.1832

Ich kann nicht unterlassen Ew. Wohlgeboren den richtigen Empfang des mir mit Ihrem gütigen Schreiben vom 9. hujs. überschickten Marsden anzuzeigen und Ihnen meinen Dank dafür abzustatten.

Was Sie mir über wat und papua sagen, habe ich mit grossem Interesse gelesen. Ich glaubte nicht zuerst auf den Gedanken gekommen zu sein, wat von avatâram abzuleiten und mir ist noch jetzt, als hätte ich es irgendwo gelesen. Um diese Ableitung nicht ganz unwahrscheinlich zu finden, muss man auf bataria zurückgehen. Gegen die Ableitung von dêvatâ habe ich, dass mir der Verlust des in der Aussprache so volltönenden Anfangsconsonanten nicht wahrscheinlich ist. Auch behalten alle übrigen von Marsden aufgeführten Veränderungen dieses Worts diesen Consonanten und grösstentheils die ganze erste Silbe bei: Nun sagen zwar Ew. Wohlgeboren, dass Forrest das Wort dwat schreibt. Diese Stelle muss ich aber gänzlich übersehen haben und kann sie auch jetzt nicht finden. Wenn Sie sich die Stelle angemerkt hätten, so bitte ich Sie inständigst, mir das Citat mitzutheilen. In dem papua Wortverzeichniss (Reise nach Neu-Guinea. Anh. S. 12) steht deutlich bloss wat . Schreibt Forrest das Wort auch mit einem Anfangs d, so fällt aller Zweifel von selbst hinweg. Forrest Wortverzeichniss möchte auch ich nicht eben verbürgen. Allein sytan würde mir keinen Verdacht erregen. Dies sichtbar Mahomedanische Wort ist zuerst ins Malayische eingedrungen und dadurch auf die Inseln gekommen. Ich habe es auch auf andren gefunden.

Von papua genügt es mir jetzt schon zu erfahren, dass es in Ew. Wohlgeboren Sprachverzeichnissen nicht vorkommt. Reduplicirt ist das Wort gewiss und bezieht sich unstreitig auf die buschige Art die Haare zu tragen. Von Haar allein möchte ich es weniger gern ableiten. Die Hauptsache wäre nur zu wissen, ob sich der Stamm selbst so genannt, oder den Nahmen aus der Fremde empfangen hat. Die Nachricht bei Pigafetta ist gewiss sehr beachtungswerth. Ich glaube aber ältere Zeugnisse von dem allgemeinen Gebrauch des Nahmens gefunden zu haben.

Empfangen Ew. Wohlgeboren die Versicherung meiner ausgezeichneten Hochachtung.

Humboldt.
Tegel, den 14. Dezember 1832.

An
Herrn Rector Dr. Meinicke
Wohlgeboren in Prenzlau.
Zitierhinweis

Wilhelm von Humboldt an Carl Eduard Meinicke, 14.12.1832. In: Wilhelm von Humboldt: Online-Edition der Sprachwissenschaftlichen Korrespondenz. Berlin. Version vom 31.08.2020. URL: https://wvh-briefe.bbaw.de/913

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