Wilhelm von Humboldt an August Wilhelm von Schlegel, 24.10.1832

|1*| [a] Ew. Hochwohlgeboren haben die Güte gehabt, mir durch meinen Bruder so freundlich anzubieten, mir eines oder das andre der Ihnen von Crawfurd geschenkten Manuscripte leihen zu wollen, daß ich nicht länger anstehen kann, Ihnen meinen herzlichsten und verbindlichsten Dank dafür abzustatten. Die Bugis Handschrift kann mir nicht dienen. Ich habe selbst eine sehr schöne von Crawfurd .[b] Bei den wenigen Hülfsmitteln aber, die man bis jetzt über die Sprache besitzt, wäre es ein vergebliches Unternehmen, sich damit zu beschäftigen. Die beiden Javanischen Handschriften würden mich intereßiren, |sic| wenn sie vielleicht Kavi Handschriften oder aus dem Kavi übersetzt wären. Auch wenn sie, was aber schwerlich der Fall ist, mit Hülfsmitteln versehen wären, würde ich sie gern durchlaufen. Ich kenne das Javanische grammatisch genau und habe Mehreres von aller Uebersetzung entblößt gelesen. Wo das sehr mangelhafte Wörterbuch mich verläßt, bleibt noch die Analogie des Malayischen und Tagalischen. Wo aber auch diese nicht ausreicht, da versiegt natürlich auch das Verständniß. Ich habe durch Crawfurds außerordentliche Güte endlich den Text des von Raffles so fehlerhaft abgedruckten Kavi Gedichtes erhalten. Zum Theil ist eine Javanische Paraphrase der einzelnen Wörter und eine Javanische Uebersetzung dabei. Dies neue Hülfsmittel veranlaßt mich eine schon fertige Schrift über das Kavi ganz von neuem durchzuarbeiten. Ich bin nun auch darauf gekommen, tiefer in die Frage des Buddhismus auf Java einzugehen und habe die Buddha Bilder und bei Gelegenheit der großen Pyramide im Distrikt |2*| von Kedu die Dagop (doch wohl eigentlich dêhagup oder dêhagôpa ) vorzüglich ausführlich abgehandelt. Nur hindert mich sehr die Schwäche meines Gesichts und daß ich Alles dictiren muß. Beides macht das Arbeiten langsam und unsicher.

Für die gütige Uebersendung Ihrer neuen französischen Schrift sage ich Ew. Hochwohlgeboren meinen herzlichsten Dank und bitte Sie, denselben auch Herrn Lassen in meinem Nahmen |sic| auszudrücken. Ich habe leider nur erst die Vorreden lesen können, die mich aber ungemein angezogen haben.

Erhalten Sie mir Ihr gütiges Andenken und erlauben Sie mir, Ihnen die Versicherung meiner ausgezeichneten Hochachtung zu wiederholen.
|Humboldt| Humboldt
|Schreiber| Tegel den 24.st October 1832.

An
Herrn Professor und Ritter A. W. von Schlegel Hochwohlgeboren in Bonn .

|Umschlag; 3* vacat|
|4* Poststempel: Berlin 3–4 27 10|
An
Herrn Professor und Ritter A. W.
von Schlegel
Hochwohlgeboren
in
Bonn

Fußnoten

    1. a |Editor| Oben rechts in Schlegels Handschrift: "vom 24sten Oct. 32."
    2. b |Editor| Möglicherweise meint Humboldt hiermit das Manuskript zu: A Despriptive Dictionary of the Indian Islands and Adjacent Countries ?