Wilhelm von Humboldt an Franz Bopp, 20.06.1825 (Mattson)

|1*| Ich schicke Ew. Wohlgeboren die Inlagen mit meinem lebhaften Dank zurück. Ich habe den Inhalt genau erwogen, auch mit Personen im Ministerio gesprochen. Da die Akademie wirklich Ihnen 500 Thlr. zur Reise zu geben beschlossen hat, so besorge ich, möchte jetzt ein Gesuch beim Ministerium um einen Zuschuß nicht wohl angebracht sein. Man würde gleich antworten, daß man ja abwarten müsse, ob Sie mehr brauchten. Es scheint mir also besser, erst gegen Ende des Jahres, wo Sie in London seyn werden, den bestimmten Versuch beim Ministerio zu machen. Man kann dann mit Grund sagen, daß Sie, zum Nachtheil der Sache den <Ihren> Aufenthalt, ohne einen neuen Zuschuß, abkürzen müßten. Auch ist es leichter etwas im neuen Jahre, als in dem halb vollendeten, wo schon über alles disponirt ist, zu erhalten. Ich werde also, mit Ew. Wohlgeboren Genehmigung jetzt die Sache ruhen lassen, aber sie gewiß mit Eifer gegen Ende des Jahres betreiben.

Die mir neulich geschickten Erläuterungen |2*| haben mich über die schwierigen Stellen vollkommen belehrt.

{naṣṭo } {mohaḥ } {tvatprasādāt }

Ich bin so frei, auf dem anliegenden Streifen Ihnen einen Vers, einen arabischen oder türkischen, zu schicken u. Sie um die Uebersetzung, mit gütiger Rücksendung des Streifens zu bitten. Es ist die Inschrift eines Türkischen Säbels. Es könnte vielleicht auch Persisch sein.

Ich werde am 30. d. M. in der Akademie eine Abhandlung über die Bhagavad-gítá eigentlich nur eine Darstellung des darin enthaltenen philosophischen Systems lesen, u. würde mich sehr freuen, wenn Ew. Wohlgeboren gegenwärtig wären.

Leben Sie herzlich wohl! Mit der hochachtungsvollsten Freundschaft
der Ihrige,
Humboldt.
20.[a]
|3*–4* vacat|

Fußnoten

    1. a |Editor| Lefmann 1897: Juli 1825. Mattson datiert auf den 20. Juni 1825, da auf den am 30. Juni 1825 gehaltenen Vortrag über die Bhagavad-Gita verwiesen wird.