Wilhelm von Humboldt an Franz Bopp, 13.01.1826

|1*| Berlin, den 13. Januar, 1826.

Sie werden, liebster Freund, hoffentlich schon das Schreiben des Ministers haben, welches Ihnen 300 Th. anweist. Die Academie übernimmt sie. Ich wollte Ihnen mit Fleiß nicht eher schreiben, als bis die Sache in der Academie durchgegangen wäre, u. das ist sie heute, ohne alle Schwierigkeit. – Ich danke Ihnen sehr für Ihren gütigen Brief, u. freue mich im Voraus, wenn Sie wieder hier sind, wieder Sanskritisches mit Ihnen besprechen zu können. Ich fühle mich jetzt sehr allein. Ich erinnere mich einmal gelesen zu haben, daß die Bhagavad Gita (nicht der Bhagavata Purana , dessen Jugend anerkannt scheint) sey für unächt d. h. auch jung gehalten worden. Doch kann ich nicht finden, wo es steht. Ist Ihnen so etwas bekannt, oder könnten Sie nicht Colebrooke fragen, ob er Zweifel hat? – Daß es von Davy [a] nicht Chinesischen Text giebt, ist mir leid. Die Uebersetzung allein kann mir |nicht| [b] helfen. Aber von Morrison muß es Dialogues geben, nemlich Chinesisch u. Englisch. Diese hätte ich sehr gern. Vielleicht hätten Sie auch die Güte Sich zu erkundigen, ob sonst etwas Gedrucktes in dem neuen Chinesischen Styl (Kouan hoa) vorhanden sey, u. schreiben es mir. – Rosen hat sein Examen gemacht u. sehr gut. Wegen seiner Abhandlung hat mich die Facultaet zu Rathe gezogen, u. ich habe ihm mit Wahrheit das beste Zeugniß gegeben. Ob ich gleich mit meinen Augen bei seiner kleinen Hand nicht Alles habe lesen können, hat mir die Anlage u. Ausführung sehr gut geschienen. Nun leben Sie herzlich wohl.

Mit innigster Freundschaft der Ihrige,
H.
|2*|
A Monsieur, [c]
Monsieur Bopp,
Professeur au service de S. M. le Roi de Prusse
à
Londres.
à remettre à l’ hôtel
de Mr. de Maltzahn,
Min. plénipotentiaire de lenvoyé |sic|
extraord. de S. M. le Roi de Prusse. [d]
43 Windsor Terrace City Road [e]

Fußnoten

    1. a |Editor| Mit "Davy" ist wohl der Diplomat und Sinologe John Francis Davis (1795–1890) gemeint. Vgl. den Brief Humboldts an Bopp vom 16. November 1825.
    2. b |Editor| Loch im Papier durch Erbrechen des Siegels.
    3. c |Editor| Rechts darüber ein Stempel: "BERLIN 13. IANR".
    4. d |Editor| Darüber Stempel: "FRANCO".
    5. e |Editor| Diese Zeile in fremder Schrift. – Links oben Rundstempel: "F P O JA 26 1826"; teilweise überschneidend darübergesetzt ein ovaler Stempel: "F. V. E. N. A. JA 27 1826"