Wilhelm von Humboldt an Franz Bopp, 07.07.1827

|1*| Ich danke Ew. Wohlgeboren herzlich für Ihr gütiges und schmeichelhaftes Schreiben von gestern. Die Zueignung Ihrer Grammatik wird mir gleich ehrenvoll und angenehm seyn. Es ist, meiner innigsten Ueberzeugung nach, ein vortrefliches Werk, nicht bloß als Grammatik dieser besonderen Sprache, sondern als Muster der Behandlung einer Sprache überhaupt. Ich kenne keine Grammatik, welche so wie die Ihrige, jeden Theil des Sprachbaus immer durch den andern erklärt, und daher so unablässig auf die Darstellung des Gesammtorganismus hinarbeitet. Die empfangenen Bogen haben mir große Freude gemacht, und ich statte Ihnen auch dafür meinen herzlichsten Dank ab.

Daß mein Gespräch mit Schultz auf den Minister gewirkt hat, ist mir sehr lieb zu hören. Ich habe gestern auch Süvern in das Interesse für die Sache gezogen. Wenn aber der Minister bloß auf eine Zulage anträgt, ohne dem König Mittel an die Hand zu geben, woher sie zu nehmen ist, so erscheint mir die Gewährung bedenklich. Doch habe ich so eben einen Schritt gethan, der hoffentlich einen Theil dieser Schwierigkeit heben wird.

Mit der hochachtungsvollsten Freundschaft
der Ihrige,
Humboldt.
Tegel, den 7. Julius, 1827.

|2*–3* vacat, auf der rechten Seite des Bogens großes Loch durch Erbrechen des Siegels, tief eingerissen|

|4*|
An
Herrn Professor Bopp,
Wohlgeboren,
in
Berlin .