Wilhelm von Humboldt an Franz Bopp, 09.03.1828

|1*| Ich danke Ew. Wohlgeboren ungemein, daß Sie mir noch die große Freude gegönnt haben, Ihre anliegende Anzeige zu lesen. Sie enthält treffliche allgemeine Ansichten, u. eine Menge äußerst belehrende einzelne Ausführungen voll scharfsinniger Auffindung überraschender Analogien. Ich habe mir Mehreres, worin ich besonders einstimme angemerkt. Wir reden aber wohl einmal mündlich davon.

Von Herzen
Ihr
H.
9. März, 1828.


|Anhang|

Ich beantworte noch zugleich Ew. Wohlgeboren gütiges Billet über meine Abhandlung[a]. Was Sie mir von der Unwahrscheinlichkeit sagen, daß die Wurzelsylbe in {i } verwandelt werde, überzeugt mich vollkommen. Ich bitte Sie in der Anlage zu lesen, wie ich die Stelle verändert habe. Die sonderbare Wurzel {udhras } würde übrigens auch nach meinem System nur {audhidhrasaṃ } haben können. Denn dies kommt heraus, wenn der erste Vokal mit dem darauf folgenden Consonanten wiederholt, das Augment gesetzt, u. der zweiten Sylbe ein |2*|  {i } gegeben wird. Der Unterschied, der noch in der Form liegt kommt daher, daß die Wurzel zweisylbig ist, so daß die gewöhnlichen Regeln bei ihr nicht ausreichen. Wollte man Ihre Regel 422. crude auf diesen Fall anwenden, nämlich den schließenden Consonanten mit {i } wiederholen so hieße die Form {ausidhrasaṃ }.

Leben Sie herzlich wohl!
H.
|3*–4* vacat|

Fußnoten

    1. a |Editor| Hierbei geht es wohl um Humboldts Abhandlung "Ueber die Verwandtschaft des Griechischen Plusquamperfectum, der reduplicirenden Aoriste und der Attischen Perfecta mit einer Sanskritischen Tempusbildung" (gelesen am 26. Februar 1828 in einer Sitzung der historisch-philologischen Klasse an der Akademie der Wissenschaften zu Berlin).