Wilhelm von Humboldt an Franz Bopp, 19.06.1834

|1*| Ich danke Ihnen auf das herzlichste, theuerster Freund, für Ihre beiden gütigen Briefe. Weit entfernt mich zu belästigen, erzeigen Sie mir einen großen Gefallen, wenn Sie mich von demjenigen in Kenntniß setzen, was bei der Akademie in unserer Klasse vorgeht. So hat es mich sehr interessirt zu erfahren, wie die Vorschläge der neuen Mitglieder in der Klasse angenommen und abgewiesen worden sind. Gegen Varnhagen ist man doch ungerecht. Vielleicht, allein Zumpt ausgenommen, kann er sich in Kenntnissen wohl mit allen übrigen Gewählten messen, und im schriftstellerischen Talent würde nur Steffens ihm vorzuziehen sein, wenn dieser sich in seinen Productionen gleich bliebe.

Sie erhalten anliegend, liebster Freund, die letzten Bogen meiner Schrift. Die Einleitung, an der ich noch schreibe, hat einige schwer zu überwindende Punkte. Die Materie der Flexion habe ich ausführlich zu entwickeln versucht, ganz besonders um in Ihrem Sinne zu zeigen, daß die Sanskritische durch Anhängung fruchtbarer und besser ist, als die Semitische durch Vokalwechsel. Ich will Sie |2*| aber nicht länger mit demjenigen ermüden, was ich Ihnen gewiß vorlege, sobald es vollendet ist.

Mit hochachtungsvollster Freundschaft
der Ihrige,
|Humboldt|Humboldt
|Schreiber| Tegel den 19t Junius 1834.

|3*–4* vacat|