Ernst Hofmann an Alexander von Humboldt, Datierung unklar

|1| Ew Excellenz

Während eines 10 tägigen Aufenthalts in Otaheiti, wo ich viel im Innern der Insel war und also mit den Einwohnern aller Classen in Berührung kam, ist mir auch nicht ein Individuum aufgestoßen, das mir nach Farbe oder Körperbildung von andrer Race als die übrigen Bewohner der Insel geschienen hätte. Allerdings sind im Allgemeinen die Vornehmen und besonders die Weiber dieser Classe heller von Farbe, aber ich habe mir diesen Unterschied damals ganz so wie Sie erklärt, daß nähmlich Arbeit und Sonne die Ursachen sind, denn ich habe Töchter geringer Leute ebenso hell gesehen als die Frauen aus der königlichen Familie, und die kleinen Kinder waren alle ebenso hell wie des Königs Pomarré  |sic| beiden kleinen Söhne, von der andren Seite waren viel |sic| Chefs die Pomarré  |sic| auf seinen Zügen begleitet hatten ebenso dunkel wie die gemeinen Arbeiter. Namentlich war der König von Ulietea einer der dunkelsten Männer, während seine Schwester ein Mädchen von 17–18 Jahren nicht viel dunkler war als die Kirgiesinnen. An Wollhaare wurde man auch nicht von weiten erinnert. Das Haar der Eingebornen ist durchaus ohne Unterschied schwarz und schlicht, und hängt den Kindern, denn es nicht abgeschnitten ist bis auf die Schulter herab. Ich glaube daher ebenso wenig auf Otaheiti an 2 Menschenracen als auf |2| den Schiffer[a] und Sandwichs Inseln, wo ich ebenfalls Gelegenheit gehabt habe viel Eingebornen zu sehen, und ich kann es mir nicht denken, daß mir ein solcher Unterschied entgangen wäre, da mir in Marilla[b] ein Ureinwohner, den ich zufällig sah, so auffiel daß ich mich erkundigte wo er herwäre.[c]

In Betreff des Rubels glaube ich daß er unter Peter dem Großen geschlagen ist, der ebenfalls Peter Alexiewitsch hieß, weil nach der Zeit als er den Kaisertitel annahm (ich glaube 1721) in keinem officiellen Documente der Titel Zaar mehr vorkommen soll.

Der Rath den Sie uns geben eine kleine Sammlung aller Hauptformationen der Flötz und Tertiärperiode zu machen, werden wir gewiß erfüllen, wir hätten es schon im vorigen Jahre gethan, hatten wir nicht unnöthiger Weise die Kosten gescheut. Ich kann nicht anders als Ihnen jetzt schon von ganzem Herzen für den Rath zu danken, weil er mir ein Beweis mehr ist für Ihre gütige Meinung gegen uns, und für den Antheil, den Sie an unsren künftigen Leistungen nehmen, und ich versichere an Eifer soll es mir nicht fehlen mich Ihrer Protection würdig zu zeigen.

Mit der größten Hochachtung habe ich die Ehre zu seyn
Ew Excellenz ergebenster
EHofmann
|3 + 4 vacat|

Fußnoten

    1. a |Editor| Darüber steht in der Handschrift Alexander von Humboldts: „Iles des Navigateurs“
    2. b |Editor| Darüber Anmerkung Alexander von Humboldts: „Manilla
    3. c |Editor| Der Geologe Ernst (von) Hofmann (1801–1871) nahm 1823–26 an der Weltumseglung durch Otto von Kotzebue teil, bei der er auch Tahiti besuchte, und begleitete Alexander von Humboldt 1829 auf seiner Reise durch den Ural; vgl. Fischer, Walther, "Hofmann, Ernst" in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 451f.