Wilhelm von Humboldt an Julius Heinrich Klaproth, 13.12.1828

|1| Ich danke Ew. Hochwohlgebornen auf das herzlichste für die kleine Schrift, die Sie die Güte gehabt haben, mir zuzuschicken. Ich habe sie mit dem Interesse gelesen, das Alles einflößt, was aus Ihrer Feder fließt. Sie haben sehr recht gethan, den unberufenen Kritiker zur Ruhe zu verweisen. Es ist traurig zu sehen, daß so etwas in Deutschland geschrieben werden kann. Ich habe noch nicht errathen, wer das seyn mag. Es ist glücklich, daß man doch in Paris aus so vielen jungen dort studirenden Deutschen sieht, daß der Sinn im Allgemeinen ein anderer und besserer ist. – Mit vielfacher Belehrung habe ich den dritten Theil der Mémoires Ew. Hochwohlgebornen aus der Hand gelegt. Es ist höchst erfreulich zu sehen, welch ein Licht Sie nach und nach über die dunkelsten Theile der Asiatischen Ethnographie verbreiten. Hierin ist Ihnen niemand ohne Ausnahme gleichzustellen. Sie werden doch auch in Ihrem Mithridates die von Adelung angenommene Methode beibehalten, und von Asien beginnen. Hier bringen Sie etwas ganz Neues und Selbstgeschaffenes. Cotta war in diesen Tagen hier, und hat viel mit uns über den Mithridates  geschrieben. <gesprochen.> – Ich bin seit meiner Rückkunft emsig auch wissenschaftlich beschäftigt. Ich verfolge den Weg an einer Reihe Grammatiken die Methodik zu zeigen, wie diese in den Sprachen zu Stande gekommen sind. Es giebt im grammatischen Bau gewisse allgemeine Methoden, von denen aber nicht gerade nur Eine jede Sprache bildet. In mehreren Sprachen sind mehrere ge-|2|mischt, und dies ist es, so wie das Verhältniß der Mischung, worauf man sehen muß. Ich habe mich seit meiner Rückkunft mit Tamulischem und Telugischem beschäftigt. Ich hatte mir, durch Carey verführt, gar nicht vorgestellt, daß dies ganz ursprüngliche Sprachen von durchaus verschiedenem Bau, als das Sanskrit, sind. Die Alphabete machen Sie <sie> schwierig. Allein das überwindet man doch. Nur ist in den Grammatiken u. Lesebüchern beider Sprachen nicht einmal eine Leseprobe u. die Zeichen, die man in Wörtern und Stellen findet, weichen oft bedeutend von den Alphabeten ab, so daß einem doch bisweilen die Gewißheit abgeht recht gelesen zu haben. – Meine Abhandlung über den Dualis ist Ihnen doch zugekommen? – Haben Sie die Güte Remusat, St. Martin u. Burnouf herzlich von mir zu grüßen, und meinen Dank für ihre wohlwollende Aufnahme zu wiederholen. Ich mag diese Herren nur nicht mit Briefen belästigen, und warte eine passende Gelegenheit ab. Ich werde mich ewig der interessanten Wochen in Paris in diesem Frühjahr erinnern. Vor Allem empfangen Ew. Hochwohlgebornen den ganzen Ausdruck meiner Erkenntlichkeit für alle mir bewiesene Gefälligkeit. Erhalten Sie mir diese gütigen Gesinnungen. Mein Bruder trägt mir die herzlichsten Grüße auf.

Mit der hochachtungsvollsten Freundschaft
der Ihrige,
Humboldt
Berlin, 13. December, 1828.