Wilhelm von Humboldt an Friedrich August Rosen, 19.05.1827

|1*| Ew. Wohlgeboren sage ich meinen herzlichsten und wärmsten Dank für das schöne PrachtExemplar Ihrer Wurzeln u. den Brief des Hrn. D. Becker .[a] Letzterem werde ich selbst sogleich antworten.[b] Ihre Schrift habe ich, seit ich hier bin, wo ich wieder täglich Sanskrit lese, schon sehr oft nachgeschlagen, und ungemein nützlich u. belehrend gefunden. Ich habe auch immer bei diesem Nachschlagen Gelegenheit, mich über Ihre Genauigkeit u. Vollständigkeit zu freuen. Nur sehr selten habe ich bis jetzt etwas vermißt, u. wo es der Fall war, haben * dies Wort vielleicht mit Fleiß ausgelassen. So erwähnen Sie bei {yuj } nicht der Praeposition  {ut }, da es doch {udyukta } giebt. Zuerst gehört dies Wort auch mehr in die Classe der Adjectiven, obgleich es die participiale Form besitzt. Was Ew. Wohlgeboren mir in Ihren Studien sagen, hat mich ungemein erfreut. Es wäre sehr schön, wenn Sie eine der Purana’s theils in Auszügen, theils in wirklichem Text lieferten, und ebenso sehr würde mich das Persische Stück interessiren, das Sie zu bearbeiten gedenken. Gerade die Form des Nalus ist sehr empfehlenswerth.

Leben Sie recht wohl, grüßen Sie Bopp herzlich von mir, und seyn Sie der ununterbrochnen Dauer meiner vorzüglichen Hochachtung gewiß.
Humboldt
Tegel, den 19. Mai, 1827.

|2*| |Schreiber|
An
Herrn Doctor Rosen
Wohlgeboren
in
Berlin

Fußnoten

    1. a |Editor| Dieser Brief ist bei Mattson nicht aufgeführt.
    2. b |Editor| Der Brief Humboldts an Karl Ferdinand Becker ist für den 20. Mai 1827 überliefert (Mattson 1980: 7781).